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Samstag, 11. August 2012

Cycling into the future

Car loving Germans are a relic of the eighties – the new generation rides the bike instead, thus saving money, stress and the climate. But politicians and the industry cling to the status-quo
(This is a shortened and updated translation of an article which I wrote for EPD news agency >> )
The family carriage of the Heinecke's has five wheels and not even one horsepower: Mother Gabriele Heinecke rides the bike in front, the eldest daughter follows on a back seat and the two little ones sit in a bike carrier at the end. It is a rare vehicle, provocing the neighbours to shake their heads: “Will you still not have a car?"
Germany is a car producing, car maintaining, car loving country. Still nine out of eleven households own a car, spending an average 269 euros a month on it – more than a child of welfare recipients gets. Cars make identities; the generation that has been growing up in the 80ies is even called “VW Golf generation”, after the then widely popular car. But their children do not identify with gas guzzlers any longer. In a time where the oil stock runs short and traffic is responsible for a quarter of all greenhouse gases, the car as we know it is no longer sexy for young city dwellers.
At the Rio conference last month politicians discussed electric cars and other “green technologies” as a way for a sustainable development – the industry's lobbying efforts bear fruits. Eleven years after Toyota presented the first hybrid car, the German state granted 500 million euros to help their industry catch up. “We are on the wrong way again”, warns Wolfgang Lohbeck, transportation expert at Greenpeace Germany. "As long as our electricity comes from coal-fired power plants, electric cars are also carbon belchers.”
But potential consumers hesitate. The image of car driving has changed in Germany: It is no longer a status symbol, but a constraint of those who, in the eighties, have erected their homestead in the suburban green, far away from public transport. "Thanks to the re-urbanization cars become increasingly expendable”, says transport expert Helmut Holzapfel of Kassel University. "The car centred mobility has exceeded its climax." He sees his own students as an example for this paradigm shift: "While still lacking money to buy a car, they discover the joy of cycling and stick to it."
But how will Germans cope with the increasing need for mobility in the future without own cars? Greenpeace expert Lohbeck: "Depending on the situation we will choose different means of shared or public transport by using a single fare system. Why own what we can also share?” The Heinecke's from Osnabrück are pioneers for this model: They use their bike trailer for shopping, borrow a car for trips and go on holidays by train. “We save several hundred euros a month this way – and a lot of stress”, says Gabriele Heinecke. "Maybe we do less than families who flit hither and thither. But we enjoy what we do."

Samstag, 9. April 2011

Reisebüros trotzen der digitalen Konkurrenz

Die Propheten der All-inclusive-Digitalisierung haben sich geirrt: Kompetente Beratung ist gefragt.
(veröffentlicht in der sonnTAZ, 9. April 2011 >>)

Samstag, 19. März 2011

Streit der Woche (taz)

Die Welt muss sich zum Atomausstieg verpflichten, fordert Japans wichtigste Anti-AKW-Gruppe. Deutschland werde nicht ohne Kernkraft auskommen, entgegnet der FDP-Energieexperte.
(veröffentlicht auf taz.de, Beiträge im Streit der Woche in der sonntaz, 19.3.2011 >>)

Dienstag, 1. März 2011

100 Weltfrauentage, 36400 Männertage

Der Internationale Frauentag schreibt seit einem Jahrhundert Weltgeschichte mit



Eine polemische Hommage

(veröffentlicht im Nord-Süd-Magazin INKOTA-Brief, 03/2011 >>)

Rote Wäsche als Zeichen des Widerstands, brennende Schleier auf usbekischen Plätzen und ein neues Familiengesetz für die Marokkanerinnen: Seit 1911 hat der 8. März in der ganzen Welt wichtige gesellschaftliche Anstöße gegeben, doch er wird auch immer wieder instrumentalisiert und banalisiert.

„Schaffen wir ihn endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März!“ forderte Alice Schwarzer vor einem Jahr in der Frankfurter Rundschau. In den Augen der deutschen Hegemonial-Feministin ist der Internationale Frauentag bloß wichtigtuerisches Gedöns, Sektschlürferei und Schulterklopfen. (Auf Glossenschreiben und Emma-Relaunch zum 8. März will sie dennoch nicht verzichten.)

In Alices Wunderland, irgendwo zwischen Emma und Bild, mag das stimmen, doch für Frauen in der restlichen Welt war der 8. März oft ein wichtiger Anlass für Kampagnen, politischen Widerstand und ein Beginn der „Dekolonialisierung der Frau“, die Simone de Beauvoir im März 1976 forderte.

„Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen!" schrieb die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1911 knapp 100 Jahre zuvor in ihrer Frauenzeitschrift, die den programmatischen Titel „Gleichheit“ trug. „Der 19. März (der später zum 8. März wurde, Anm. d. Red.) ist euer Tag. Er gilt eurem Recht!" Eine Million Frauen gingen daraufhin zunächst in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straßen – eine solche Massenbewegung hatte es bis dahin nicht gegeben..

Mit Wäsche gegen den Faschismus
Doch das Wahlrecht, in Deutschland 1919 durchgesetzt, war nur der Anfang: Die Feministinnen der Weimarer Republik forderten kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, niedrigere Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Während der Weltkriege wurde der „sozialistische“ Feiertag verboten. Die Nazis ersetzten ihn durch den Muttertag, der ihrem Frauenbild eher entsprach. Doch im Untergrund lebte er weiter; wer am 8. März seine rote Wäsche im Fenster „auslüftete“, gab damit ein politisches Statement ab.

Der Kalte Krieg entzweite auch den Internationalen Frauentag: Um die sozialistischen Wurzeln zu vergessen, erfand der Westen einen neuen Gründungsmythos rund um einen Streik von Textilarbeiterinnen im New York des 19. Jahrhunderts. Die DDR eignete sich den Tag ihrerseits an, indem sie auf den Zusatz „Internationaler“ verzichtete. Die Partei nahm dem „Frauentag“ seine politische Verve; statt dessen überreichten Kinder ihren „Muttis“ (selbstgemalte) Blumen. Die autonome Frauenbewegung der frühen 70er Jahre konnte mit dem 8. März wenig anfangen: In ihrem Kommentar in der Frankfurter Rundschau verriss Alice Schwarzer ihn als „sozialistischen Muttertag“ einer Linken, die „zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ“. Nach der Wende blieben sich Feministinnen in Ost und West zunächst suspekt; der Weltfrauentag erlebte erst ab 1993 ein politisches Comeback – vor allem 1994 zum sogenannten „FrauenStreikTag“.

Heute ist das größte Projekt des Weltfrauentags wohl die Solidarität zwischen globalem Norden und Süden. 1977 erklärten die Vereinten Nationen den Internationalen Frauentag zum offiziellen Feiertag; Frauen in 26 Ländern, von Angola bis Zypern, haben an diesem Tag (zumindest halbtags) frei – nicht aber in Deutschland.

Süd und Nord unter einem Banner
Doch unter welchem Banner können sich Frauen an diesem Tag weltweit vereinen – die finnische Wissenschaftlerin und die peruanische Bäuerin, die indische Künstlerin und die nigrische Hausfrau? Die UN-Versammlung versuchte es 1993 mit einem allumfassenden Slogan: „Für die Rechte der Frau und den Weltfrieden, für Gleichberechtigung und für das Wahlrecht“.

In vielen Diktaturen war das Feiern des Frauentag ein Zeichen des Widerstands: Selbst die Gefangenen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück sollen den 8. März 1945 gemeinsam begangen haben. In der Pinochet-Diktatur wurden 100 Chileninnen verhaftet und misshandelt, als sie 1980 den Frauentag feierten. Doch das hielt sie nicht davon ab, sechs Jahre später erneut durch die Straßen zu ziehen: „Mit uns nicht mehr, denn wir sind mehr!“ (“No más porque somos más”). Pinochets Schergen beantworteten ihre Rufe mit Tränengas. Zum Frauentag 1999 demonstrierten Tausende Chileninnen gegen den Plan, Pinochet als „Senator auf Lebenszeit“ einzusetzen.

Gerade im globalen Süden schafft der Weltfrauentag eine Öffentlichkeit für wichtige Debatten und gibt einen Anstoß für Gesetzesinitiativen und gesellschaftliche Veränderungen: So war es ein 8. März (2001), an dem König Mohammed VI. von Marokko ankündigte, er werde das undemokratische Familiengesetz (Mudawanna) überarbeiten lassen. Und an einem anderen 8. März (2010) versprachen mehrere Führer der Acholi in Nord-Uganda, sich persönlich für einen besseren Schutz von Frauen einzusetzen, die in den zwanzig Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen besonders unter körperlicher Gewalt und Vergewaltigungen gelitten hatten.

Die von Simone de Beauvoir herbeigesehnte Dekolonialisierung der Frau gelingt nur, wenn die Frauen selbst die Themen bestimmen und die Feierlichkeiten in ihre eigenen Traditionen einbetten. Doch oft genug wurde der Tag von fremden und sogar gegenläufigen Interessen ausgenutzt: Erst im letzten Jahr protestierten ultrakatholische Spanier pünktlich zum Weltfrauentag gegen das neue Abtreibungsgesetz. Und 1927 schickten bolschewistische Parteikader ihre Frauen auf die öffentlichen Plätze Zentralasiens, um dort die Fortschrittlichkeit des Marxismus-Leninismus zu demonstrieren: In einer spektakulären Aktion rissen sie sich ihre Kopftücher von den Haaren und verbrannten sie. Reine Schau, wie ein satirischer Vers aus dieser Zeit suggeriert: „Am 17. März reiße ich meinen Schleier herunter,/ doch noch auf dem Heimweg/ habe ich drei neue Schleier gekauft,/ um mich noch dunkler zu kleiden.“

Heute wird der 8. März von den verschiedensten Gruppen instrumentalisiert, kommerzialisiert und banalisiert: Fitness-Studios locken mit Sondertarifen und Unternehmen geben Empfänge für kaufkräftige Kundinnen. Auf einem Flirtportal heißt es: „Heute feiern in Deutschland ganze Horden von gut gelaunten Frauen bei einem Glas Sekt zusammen und genießen vielleicht sogar eine Stripshow zur allgemeinen Belustigung. In dieser Laune steigen die Flirtchancen enorm. Also liebe Männer, ab in den nächsten Blumenladen.“ Ob Clara Zetkin das meinte: das Recht auf Blumen?

P.S.: Im Sinne der Gleichberechtigung sei darauf hingewiesen, dass es seit 1999 auch einen Internationalen Männertag gibt, der für Gleichberechtigung eintritt und männliche Vorbilder hervorheben will. Den Inkota-Brief Nr. 507 zu seinem 100. Jahrestag können Sie schon jetzt bestellen.

Samstag, 17. Juli 2010

Von Guantanamo nach Rheinland-Pfalz

Als Murat Kurnaz aus Guantanamo nach Bremen zurückkehrte, tauschte er Zellen- gegen Hausarrest: Das Haus seiner Eltern in Bremen war von Paparrazis umstellt. Seine beiden Mitgefangenen, die voraussichtlich Ende September nach Hamburg und Rheinland-Pfalz kommen, haben es deutlich schwerer: Sie betreten nicht nur ein fremdes Jahrzehnt, sondern auch ein fremdes Land. Psychologen warnen, der Medien-Hype könne sie ein zweites Mal traumatisieren.
(AFP - Agence France-Presse, 17. Juli 2010, N-TV >> Die Welt >>)

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Klima der Konfrontation in Kopenhagen


(im letzten Foto: Naomi Klein)

Kopenhagen (ces fuer epd, 14.45 Uhr). Beim versuchten „Sturm“ auf das Kopenhagener Konferenzgebäude durch knapp 3.000 Demonstranten hat die dänische Polizei am Mittwochmittag ihre harte Linie fortgesetzt. Nach Angaben des Aktionsbündnisses „Climate Justice Action“ (CJA) setzte die Polizei Schlagstöcke, Pfefferspray, Tränengas und Hunde gegen die Demonstranten ein. Rund 240 Personen wurden festgenommen, gefesselt und für bis zu 72 Stunden in einen Massenarrest gebracht.

„Diese Reaktion überrascht uns nicht“, sagte CJA-Sprecherin Natalie Swister dem epd. „Die dänische Polizei hat den Protest von Anfang an mit unverhältnismäßigen Mitteln unterdrückt.“ Die Polizei war noch zu keiner Stellungnahme bereit. Seit 10 Uhr hatten sich auf dem Vorplatz des Konferenzzentrums knapp 3.000 Demonstranten verschiedener Nichtregierungsorganisationen und indigener Gruppen versammelt, um gegen „falsche Lösungen“ der Klimakrise zu protestieren. Zeitgleich haben autonome Gruppen an verschiedenen Stellen versucht, den Sicherheitszaun zu überwinden, um auf das Gelände des Konferenzzentrums zu gelangen und dort eine „Gegenkonferenz“ auszurufen. Tatsaechlich gelang es fünf Aktivisten, mit Luftmatratzen eine erste Absperrung zu überwinden, wo sie umgehend festgenommen wurden.

Gegen 11.15 Uhr löste sich im Innern des Konferenzentrums eine Demonstration des Internationalen Forums indigener Völker gegen den Klimawandel, dem sich rund 300 Konferenzbeobachter und bolivianische Delegierte anschlossen. Mit dem Ruf „La tierra no se vende, la tierra se defende“ („Wir dürfen die Erde nicht verkaufen, sondern müssen sie beschützen.“) kritisierten sie die rein technischen und marktbasierten Ansätze, die auf der Klimakonferenz diskutiert werden. Diese seien unsicher und ungerecht; eine Lösung der Klimakrise liege allein im Konsumverzicht.

Nach ihrem Zug durch die Flure des Konferenzgebäudes traf die Demonstration draußen auf die Gruppe der „Climate Justice Action“, mit der sie eine „Konferenz der Zivilgesellschaft“ vor dem Gebäude begannen. Dort wolle man denjenigen eine Stimme geben, die während des Gipfels nicht gehört werden, sagte CJA-Sprecherin Friederike Habermann: „Nach 15 Verhandlungsjahren ohne richtige Lösungen wollen wir heute die Tagesordnung verändern, um wirkliche und gerechte Lösungen zu diskutieren.“ Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die ebenfalls an den Protesten teilnahm, forderte die Industrieländer dazu auf, ihre Klimaschuld gegenüber den Ländern des Südens anzuerkennen sowie die Land- und Wasserrechte indigener Gruppen zu respektieren. Ansonsten sei „gar kein Abkommen immer noch besser als ein schlechtes Abkommen“, so Klein.

Bereits am Dienstagnachmittag war der deutsche Sprecher des Bündnisses, Tadzio Müller, wegen Verdachts auf Vorbereitung strafbarer Aktivitäten festgenommen worden. Nach Polizeiangaben wurde er am MIttwochmorgen um 10.30 Uhr einem Richter vorgeführt. „Die Polizei glaubt offensichtlich, sie könne den Protest stoppen, indem sie einige führende Köpfe festnimmt“, sagte die Globalisierungskritikerin Naomi Klein am Dienstagabend auf einem Gegengipfel in Kopenhagen. „Wir gehen trotzdem weiterhin auf die Straße.“

Mittwoch, 9. Dezember 2009

COP15: UN-Security takes data of demonstrators

Kopenhagen: UN-Mitarbeiter nehmen Daten von Demonstranten auf



A spontaneous demonstration by the NGO alliance "TckTckTck" on Wed 9th in the "Bella Center" ended by UN-Security staff taking the data of two spokespersons and forcing a journalist to delete her photos. About 30 members of different NGO groups gathered spontanously yesterday in front of the plenary hall demanding their participation in the plenary meetings. "We are the first ones concerned by climate change; that's why we want to join the debate right from the beginning. You can only seal a real deal if we participate in the negotiations", said Ashwini Prabha from the Fiji-Islands in allusion to the UN-Campaign "Seal the Deal". At the end of the demonstration three UN-Security-Staff members approached and took the data of Prabha and a second demonstrator who wants to stay anonymious. "We need to know who is demonstrating here and check if we can allow the demonstration", one of the men stated. A journalist who took photos of the scene was forced to delete them.

Fortunately (and curiously!) they didn't notice my camera...



Auf einer spontanen Demonstration im Kopenhagener Konferenzzentrum "Bella Center" haben UN-Mitarbeiter die Daten von zwei Demonstranten aufgenommen. Eine Journalistin, die die Szene fotografierte, wurde gezwungen das Foto zu loeschen. Rund 30 Umweltaktivisten vom Buendnis "TckTckTck" haben sich am Mittwoch gegen 15.30 Uhr unter dem Aufgang zum Plenarsaal "Tycho Brahe" versammelt, um ihre Zulassung zu den Vollversammlungen zu fordern. "Wir sind als Erste vom Klimawandel betroffen; daher wollen wir auch von Anfang an mitreden. Nur mit uns kann es einen richtigen Deal gibt!" rief Ashwini Prabha von den Fidschi-Inseln in Anspielung auf die UN-Kampagne "Seal the Deal". Am Ende der Demonatration naeherten sich drei UN-Sicherheitsbeamte und notierten ihre Personalien in einen dicken Block. "Wir müssen wissen, wer hier demonstriert und pruefen, ob wir diese Demonstration genehmigen koennen", sagte einer der Maenner.

Meine Kamera ist gluecklicherweise nicht aufgefallen ...



Donnerstag, 3. Dezember 2009

Umweltengel Vattenfall?

(gesendet bei NDR Info am 2.12.2009)

Anmod:
Solargelb und wasserkraftblau leuchtet das Logo von Vattenfall, dabei spielen erneuerbare Energien für die deutsche Tochter des Energiekonzerns kaum eine Rolle. Nach eigenen Angaben produziert Vattenfall Europe gerade einmal fünf Prozent seiner gesamten Energie mit der Kraft von Wind, Wasser und Sonne. Im Bundesdurchschnitt ist dieser Anteil rund drei Mal so hoch. Trotzdem tritt Vattenfall bei der Klimakonferenz in Kopenhagen als Berater auf – und als Partner der UN-Umweltbehörde. Christina Felschen über eine PR-Kampagne unter dem Dach der Vereinten Nationen.




Download (Datei > Speichern unter)

O-Ton (Vattenfall-Kampagne):
„[...] genau wie ein See nur begrenzt Verschmutzung verträgt, bevor Fische und andere Organismen sterben, so verträgt auch die Erde nur eine begrenzte Menge Treibhausgase, die bei der industriellen Produktion entstehen.“

Sprecher:
Das sagt keine Umweltorganisation, sondern der Energiekonzern Vattenfall in seiner jüngsten Werbekampagne. Ist der Kohlekonzern zum Klimaretter geworden?
Weit gefehlt: Nach wie vor schadet Vattenfall dem Klima mehr als jeder andere Energieproduzent in Deutschland. Nach eigenen Angaben verursachte Vattenfall Europe im letzten Jahr fast Tausend Gramm Kohlendioxid beim Erzeugen von einer Kilowatt-Stunde Strom. Laut Umweltbundesamt liegt Vattenfall damit 60 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Atmo: Baustelle (bis „Elbe“ drunterlassen)

Sprecher:
Hamburg-Moorburg, eine riesige Baustelle direkt an der Elbe: Seit zwei Jahren entsteht hier eines der größten Steinkohlekraftwerke Europas, eine CO2-Schleuder, die den deutschen Klimazielen voraussichtlich noch 40 Jahre lang im Weg stehen wird. So sehen es Umweltverbände. Wären da nicht die Auflagen des Hamburger Senats, würde Vattenfall seinen Plan wahr machen und das Kühlwasser der Elbe entnehmen – mit dramatischen Folgen für das Ökosystem des Flusses.
Ausgerechnet die Klimakonferenz in Kopenhagen ermöglicht es dem fünftgrößten europäischen Stromkonzern, nun sein Image reinzuwaschen. Dort nämlich taucht der Konzern als Partner der Vereinten Nationen auf. Zusammen mit der UN-Kampagne „Seal the Deal“ hat Vattenfall den Staatschefs schon im Vorfeld seine „Klimaerklärung“ überreicht:

O-Ton (Vattenfall-Kampagne) (wegen kurzer Musikrampe vorne und hinten etwas früher rein und später raus):
Die Erklärung enthält drei Forderungen: 1. Wir brauchen einen weltweit gültigen Preis für die Belastung mit CO2-Emissionen, 2. wir brauchen mehr Förderung für klimafreundliche Technologien, 3. wir brauchen Klimaschutzstandards für Produkte.

Sprecher:
Vattenfall-Sprecher Steffen Herrmann sagte NDR Info, die Konferenz sei für den Konzern von großer Bedeutung; man erwarte richtungsweisende Entscheidungen für die zukünftige Wirtschafts-, Umwelt- und Klimapolitik. Mit der Unterschriftenkampagne will Vattenfall den Politikern eine Richtung weisen, so sieht das Greenpeace: Demnach sollen vor allem andere für die Schäden bezahlen, die Energieproduzenten mit dem CO2-Ausstoß anrichten: 1. Schwellen- und Entwicklungsländer, die kaum Schuld an der globalen Erwärmung tragen, 2. die Bürger mit ihren Steuergeldern und 3. die Verbraucher. Eine Viertelmillion Menschen haben das Vattenfall-Manifest unterschrieben; Achim Steiner, Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, ist nicht darunter. Trotzdem verteidigt er die gemeinsame Kampagne:

O-Ton (Achim Steiner):
„Seal the Deal“ bedeutet ja, dass wir einen Appell an diejenigen richten, die eine Möglichkeit haben die Verhandlungen in Kopenhagen mitzugestalten, zu beeinflussen; sicherzustellen, dass wir dort nicht nur eine Luftblase verhandeln. Ein Energiekonzern, der sich erstmals dazu äußert, dass Klimawandel kein theoretisches Konstrukt ist, sondern ein konkreter Handlungsbedarf, verdient erst einmal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Sprecher:
Doch längst nicht alle bekommen die Gelegenheit diese „Luftblase“ mit ihren Appellen zu füllen. Mehrere Tausend Lobbyisten aus der Industrie werden in Kopenhagen erwartet, doch nur ein paar Hundert Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Dies liege an den ungleichen Möglichkeiten der Einflussnahme, sagt Yiorgos Vassalos von der europäischen Lobbybeobachtungsstelle. So sieht das auch Paul de Clerck, der als Vorsitzender von Friends of the Earth selbst Lobbyarbeit für Umweltverbände in Brüssel betreibt:

O-Ton (Paul de Clerck):
What we find problematic is that decision makers give priviledged access to company lobbyists.
Lobbyists from all these big international companies have way to much influence on decision makers like in UNEP. It’s of course always the dirtiest companies who have the biggest interest, because they have the most to loose so they are the most active in lobbying.

Voice-Over:
Das Problem liegt darin, dass Politiker Industrielobbyisten bevorzugen. Lobbyisten von großen Unternehmen haben viel zu viel Einfluss, auch auf die Umweltbehörde der Vereinten Nationen. Die dreckigsten Konzerne haben auch am meisten zu verlieren, deshalb sind sie auch die aktivsten Lobbyisten.

Sprecher:
UNEP-Direktor Achim Steiner und Vattenfall-Chef Lars Josefsson haben die Partnerschaft auf dem Wirtschafts- und Umwelttreffen „Global Compact“ im September angebahnt. Ein vergleichbares Treffen mit Nichtregierungsorganisationen hat es nicht gegeben.

Montag, 6. Juli 2009

Unterms Strich (taz-Feuilleton-Nachrichten)

"There you stand with your L.A. tan / And your New York walk and your New York talk." Diese Zeilen sang John Lennon 1974 in seiner bissigen Hymne "Steel and Glass", zu der ihn der Ex-Beatles-und-Rolling-Stones-Manager Allen Klein inspiriert hatte. Am Samstag ist der streitbare Geschäftsmann 77-jährig in New York an Alzheimer gestorben. Stets hat Klein mit Plattenfirmen um höhere Tantiemen gekämpft - für seine Künstler und, zu deren Unmut, auch für sich selbst. Beim Auseinanderbrechen der Beatles 1970 soll ihr Streit mit dem Manager eine große Rolle gespielt haben; sie verklagten ihn, genau wie die Rolling Stones. Noch Jahre später besang Lennon den "härtesten Geschäftemacher im Dschungel der Popszene" (New York Times), der sich laut AP wie ein Bulldozer seinen Weg bahnte, als Lügner und stinkendes Tier. Bis heute hält Kleins Firma ABKCO die Rechte an den wichtigsten Stones-Alben der 60er-Jahre.

O neues Amerika, o 21. Jahrhundert! Heute ist die Macht doch näher am Leben als früher: Präsident Barack Obama hat sich in einem Interview mit der Agentur Associated Press als Fan des verstorbenen Michael Jackson bekannt: "Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen und habe immer noch alle seine Sachen auf meinem iPod", sagte Obama über den nur drei Jahre älteren Afroamerikaner. Jackson werde "als einer unserer größten Entertainer in die Geschichte eingehen", sagte Obama. Er habe zwar "vielen Menschen große Freude bereitet", aber "wohl ein tragisches und in vieler Weise trauriges Privatleben geführt".

Gebt uns mehr Text, Text: Das weltweit älteste Bibelmanuskript lag 1.500 Jahre lang in einem Kloster im Sinai, weitere 150 Jahre waren die 1.600 Pergamente zwischen Ägypten, Russland, Deutschland und England verstreut; seit gestern ist der digitalisierte Codex für jeden einsehbar: www.codexsinaiticus.org.

15.6.2009
"Nofretete" bedeutet "die Schöne ist gekommen". Doch nomen ist nicht immer omen: Denn die Büste der Pharaonengemahlin weilt schon seit 1912 nicht mehr in Ägypten, sondern in Deutschland. Der Archäologe Ludwig Borchardt hat die Schöne in einer Kleinstadt am Nilufer ausgegraben und mitgenommen - illegalerweise, wie die ägyptische Altertumsverwaltung jetzt belegen will. Sie drängt auf Restitution. Für die Ägypter zählt die 3.400-jährige Dame zu den fünf "kulturell einmaligen" Kulturgütern im Ausland, für das Alte Museum in Berlin gehört die Nofretete zu den
"größten Besuchermagneten".

Freitag, 22. Mai 2009

Bürgerrechtler aus Kamerun verurteilt

Wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration gegen Korruption ist der kamerunische Bürgerrechtler Bernard Njonga am Freitag zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. „Die Regierung will uns zum Schweigen bringen“, sagte Njonga auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Er ist der Präsident der größten westafrikanischen Bürgerbewegung, des ACDIC, die 10.000 Landwirte und Verbraucher vertritt.


Fotos: Sebastian & Lukas/ Medienkolleg Innsbruck

Njonga erfuhr von dem Urteil während des Kirchentags, bei dem er auf Einladung des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) über Ernährung im 21. Jahrhundert referierte. „Das Urteil ist ein Angriff auf die Rechte der Zivilbevölkerung und ein harter Rückschlag für Kamerun“, erklärte EED-Experte Rudolf Buntzel. An die Bundesregierung appellierte er, die Gerichtsentscheidung zu verurteilen.

Die auf drei Jahre ausgesetzte Bewährungsstrafe werde Njongas Arbeit massiv behindern, sagte Buntzel. Bis 2012 dürfe er die Regierung nicht mehr kritisieren, wenn er keine Haft riskieren wolle. 2011 finden Präsidentschaftswahlen in Kamerun statt; der amtierende Präsident Paul Biya ist seit 25 Jahren an der Macht.

Dennoch will Njonga nach Kamerun zurückkehren. „Wir haben keine andere Wahl als weiter für unsere Rechte zu kämpfen“, betonte er. Am 10. Dezember 2008, dem Tag der Menschenrechte, hatte die kamerunische Polizei eine Demonstration der ACDIC gewaltsam aufgelöst und Njonga sowie neun weitere Aktive vorläufig festgenommen. Die NGO hatte gegen Korruption im Landwirtschaftsministerium demonstriert.

Seit 1996 wird das westafrikanische Land von europäischen Billigimporten überschwemmt. Tiefgefrorene Hühnchen aus Europa zerstören die lokalen Märkte. Außerdem gefährden sie die Gesundheit der Konsumenten, wenn das Geflügel bei der Lagerung auftaut.

(nach einem Exklusiv-Interview für EED & Kirchentag >)

Brot für die Welt: Wasser muss ein öffentliches Gut bleiben

Britischer Umweltjournalist kritisiert Import von Lebensmitteln aus Trockengebieten

(für die Nachrichtenredaktion des Evanglischen Kirchentags 2009 in Bremen)

Die Direktorin der Aktion Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, hat die EU für die Privatisierung der Wasserversorgung kritisiert. „Damit wird eine ungerechte Verteilung in Kauf genommen“, sagte sie am Freitag, 22. Mai, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Die Organisation Brot für die Welt will weltweit ein Menschenrecht auf Wasser durchsetzen.

Fritz Holzwarth, verantwortlich für Wasserwirtschaft im Bundesumweltministerium, pflichtete ihr bei: „Wer die Wasserversorgung kontrolliert, kontrolliert auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes.“ Dies dürfe nicht Privatunternehmen überlassen werden. Schon heute haben 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser, 80 Prozent von ihnen leben auf dem Land.

„Wir Europäer haben das Problem noch nicht begriffen“, sagte der britische Umweltjournalist Fred Pearce vor halbleerem Saal. Wasserkrisen seien längst keine lokalen Phänomene mehr. „In den Nahrungsmitteln, die wir importieren, stecken Unmengen von Wasser. Viele stammen aus Entwicklungsländern, die selbst unter Wassermangel leiden.“ Um die Nahrungsmittel für einen Europäer herzustellen, werden täglich rund 7.000 Liter Wasser verbraucht. Besonders wasserintensiv sind Nahrungsmittel aus trockenen Regionen, Fleisch und tierische Produkte. 11.000 Liter Wasser werden für das Rindfleisch eines Hamburgers gebraucht, 5.000 Liter für ein Kilo Reis und 4.000 Liter für einen Liter Milch.

„Bewässerungsprojekte sind eine enorme ökologische und wirtschaftliche Verschwendung“, sagte Pearce weiter. „Wir müssen die ‚Grüne Revolution’ durch eine ‚Blaue Revolution’ ablösen, also Lebensmittel anbauen, die weniger Wasser benötigen.“ Füllkrug-Weitzel stimmte ihm zu: „Sonst verschärften wir durch unsere Importe die Wasserkrise für die Armen.“

Odeh Al-Jayyousi von der Weltnaturschutzunion IUCN sagte, die Entwicklungsländer müssten ihre Ökosysteme besser managen und stärker miteinander kooperieren. „Hier können auch die monotheistischen Religionen eine Rolle spielen, die den Menschen als Bewahrer der Ressourcen begreifen“, sagte Al-Jayyousi weiter. Die Industrieländer müssten dagegen vor allem bescheidener werden: „Wenn wir alle den Amerikanischen Traum verfolgen und große Wagen fahren, richten wir unser soziales und natürliches Potential zugrunde.“

Sonntag, 19. Oktober 2008

Voyage sans arrivée

Le sujet de la migration dans le documentaire européen

Ce sont des Européens invisibles, sans papiers et avec une histoire de sur-vie difficilement imaginable : les émigrants au statut illégal, pour la plupart venus des Etats africains. Depuis quelques années, des réalisateurs de documentaires essaient de mettre en lumière ce sujet obscur qu’est leur chemin de souffrance et d’espoir, par exemple : Mirages et Bab Sebta, films lauréats du Festival International du Documentaire à Marseille.


publié le 15.10.2008 dans la revue franco-allemande rencontres.de

« Perdu au coeur
de la grand Babylone
ils m’appellent le « clandestin »
pour être sans papiers ;
pour travailler j’allais
vers une ville du nord
en laissant ma vie
entre Ceuta et Gibraltar.
Je suis une barre dans la mer
un fantôme dans la ville,
ma vie est interdite,
dit l’autorité. »
(Manu Chao : Clandestino.)

Ce sont surtout des accidents navals tragiques et des révoltes dans les enclaves de Ceuta et Medilla qui marquent notre perception de l’émigration africaine vers l’Europe. Cependant, le quotidien et le destin personnel des sans-papiers demeurent dans l’ombre – d’autant plus que l’espace Schengen les pousse vers l’illégalité et qu’ils veillent à leur anonymat.

Pourtant, depuis quelques années, des réalisateurs européens et africains abordent ce terrain difficilement accessible : les uns décrivent la vie et le travail des « clandestins » en Europe (France: Paroles des Sans Papiers de Patrick Watkins (2006), Allemagne: Sans Papiers de David Rych (2004)) ; les autres rencontrent les migrants à un de ses lieux d’origine ou de transit en Afrique pour explorer sur place ce voyage fatigant sur terre et sur mer.


Deux des lauréats du Festival International du Documentaire FID Marseille plongent justement dans cette thématique : Dans Bab Sebta (Prix du Jury Marseille Espérance) les réalisateurs portugais Pedro Pinho et Frederico Lobo observent les rites d’attente des migrants au dernier point de leur voyage, à la Porte de Gibraltar. Leur étude ethnographique présente Ceuta en tant que lieu de transit, carrefour économique et culturel et comme symbole pour le passage biographique individuel. Au Nord du Maroc et au Sud de l’Algérie, Charles Heller (Crossroads at the Edge of Worlds (Carrefour à la Frontières de différents Mondes), 2006) et Idrissou Mora-Kapi (Arlit, la deuxième Paris, 2005) ont réalisé des projets cinématographiques semblables.

Cependant le documentaire Mirages d’Olivier Dury (Prix Premier du Jury de la Compétition Française) montre les premiers jours d’un convoi de migrants que le réalisateur a accompagné à travers le Sahara, de la ville nigérienne d'Agadez à Djanet au sud-est de l’Algérie. Le titre annonce la double perspective de ce film qui se déroule en Afrique mais qui traite néanmoins d’une Europe utopique: Les fatigues du voyage que les migrants subissent patiemment reflètent leur désarroi et l’espoir de trouver une vie meilleure au Nord de la Méditerranée.

La caméra de Dury suit deux VTT, les bacs surchargés d’environ 40 jeunes hommes dont les pieds touchent presque le sable. Guidé par des indigènes touaregs, l'incroyable convoi avance dans la brousse, sur des pistes vertigineuses et à travers des tourbillons de sable. Les foulards et les turbans protègent à peine contre le sable et l’impitoyable sécheresse pendant la journée ; le feu de bivouac réchauffe peu dans le froid nocturne.

Les signes de vie apparaissent rarement au bord de la route, seulement pour vite redisparaître dans l’infinitude du désert : On voit des enfants qui découvrent le seul blanc dans le convoi, une grenouille qui lutte pour survivre ainsi qu’un vautour qui attend ceux qui perdent cette lutte. Les hommes restent seuls dans le désert : ils cherchent à garder leur distance, se battent pour l’espace étroit sur les pickups et fixent le néant d’un regard où la fatigue et l’espoir se mêlent. La nuit seule rapproche ces migrants solitaires quand le feu de bivouac crée un espace clos dans l’infinité du désert.



Olivier Dury brigue l’objectivité autant que possible : Il se limite à observer, renonce aux commentaires et ne se choisit même pas de protagoniste parmi les migrants. Pourquoi ces hommes du Niger, du Sénégal ou de la Mauritanie se mettent-ils en route pour un tel calvaire ? Est-ce une lutte pour la survie ? Ont-ils des raisons politiques ? Et qu’est-ce qui les attend en Europe ? Le statut de « clandestin » ? L’expulsion ? Le film soulève bien plus de questions sur la migration africaine vers l’Europe qu’il ne donne de réponses. Mais cette retenue énigmatique est justement son point fort. Devant et derrière la petite caravane, l’horizon vacille, scintille, devient flou : d’autant que les raisons de leur émigration sont laissées à l’imagination du spectateur, les migrants ne savent pas, vers quel « mirage » ils se dirigent.

Pour ses débuts cinématographiques Olivier Dury saisit un sujet complexe avec des images poétiques et des sons en sourdine. La caméra du français échange des regards muets et compréhensifs avec les hommes dont il esquisse au cours de ce « road movie » insolite la transformation des « voyageurs » en « migrants » puis en « clandestins ».

Photos: 1,3,4: "Mirages", un film d'Olivier Dury; 2: Bab Sebta, un film de Pedro Pinho et Frederico Lobo


Filmographie et bibliographie

Films documentaires sur le sujet de la migration africaine vers l’Europe :

• Dury, Olivier: Mirages. France, 2007. 46 mn. Première diffusion en TV: ARTE, 6 juillet 2008.
• Pinho, Pedro/ Lobo, Frederico: Bab Sebta. Portugal, 2008. 110 mn.
• Heller, Charles: Crossroads at the Edge of Worlds (Carrefour à la Frontière de différents Mondes). Suisse, 2007. 37 mn.
• de No, Juan Luis: La Ciudad de la Espera (La Ville de l’Espoir). Espagne, 2006. 60 mn.
• Mora-Kapi, Idrissou: Arlit, la deuxième Paris. Burkina Faso/ France, 2005. 78 mn.
• Watkins, Patrick: Paroles des Sans Papiers. France, 2006. 15 mn.
• Rych, David: Sans Papier – Illegalized People (Sans Papiers – Humains illégaux). Allemagne, 2004. 14 mn.

• Manu Chao: Clandestino. Virgin Records, 1998.

Reise ohne Ankunft

Migrationsthematik im europäischen Dokumentarfilm

Sie sind die unsichtbaren Europäer, ohne Aufenthaltserlaubnis und mit schwer vorstellbarer (Über-) Lebensgeschichte: Einwanderer mit Illegalenstatus, zumeist aus afrikanischen Staaten. Seit einigen Jahren versuchen Dokumentarfilmer vereinzelt Licht ins Dunkel der Hoffnungs- und Leidenswege dieser Menschen zu bringen. Mit Mirages (Durch die Wüste) und Bab Sebta wurden auf dem Dokumentarfilmfest FID Marseille in diesem Jahr gleich zwei solche Filme ausgezeichnet.


erschienen am 15.10.2008 im deutsch-französischen Magazin rencontres.de

»Verloren im Herzen
des großen Babylon
nennen sie mich den »Illegalen«,
weil ich keine Papiere habe;
zum Arbeiten ging ich
in eine Stadt des Nordens,
mein Leben ließ ich zurück
zwischen Ceuta und Gibraltar.
Ich bin ein Strich im Meer,
ein Geist in der Stadt,
mein Leben ist verboten,
sagt die Obrigkeit.«
(Manu Chao: Clandestino.)

Tragische Bootsunglücke und Aufstände in den spanischen Flüchtlingsenklaven Ceuta und Melilla prägen unsere Wahrnehmung der afrikanischen Einwanderung nach Europa. Dabei bleiben der Alltag und das persönliche Schicksal der Flüchtlinge ohne Papiere größtenteils im Dunkeln, zumal diese im Schengenland in die Illegalität gedrängt werden und daher auf ihre Anonymität bedacht sind.

Doch seit einigen Jahren betreten europäische und afrikanische Filmemacher dieses schwer zugängliche Terrain: Die einen beschreiben das Leben und Arbeiten der »Illegalen« in Europa (Deutschland: Sans Papiers von David Rych, 2004, Frankreich: Paroles des Sans Papiers von Patrick Watkins, 2006), die anderen treffen die Flüchtlinge an einem seiner Ursprungs- oder Durchreiseorte in Afrika an, um dort die beschwerliche Reise zu Wasser und zu Land zu dokumentieren.


Gleich zwei Preisträger des internationalen Dokumentarfilmfestival FID Marseille setzen sich mit eben diesem Thema auseinander: In Bab Sebta (Preis der Jury Marseille Espérance) beobachten die portugiesischen Filmemacher Pedro Pinho und Frederico Lobo die Warterituale der Migranten am letzten Punkt ihrer Reise, dem Tor von Gibraltar. Ihre ethnografische Studie portraitiert Ceuta als Ort des Transits, als wirtschaftlichen und kulturellen Knotenpunkt und Symbol für einen Wendepunkt in der Biographie der einzelnen Migranten. In Nordmarokko und Südalgerien haben Charles Heller (Crossroads at the Edge of Worlds, Kreuzung an der Grenze der Welten, 2006) und Idrissou Mora-Kapi (Arlit, la deuxième Paris, Arlit, das zweite Paris, 2005) ähnliche Filmprojekte unternommen.

Ganz anders Mirages (Durch die Wüste, wörtlich: Fata Morgana), der Siegerfilm des Festivals: Darin begleitet Olivier Dury die ersten Tage eines Migrantenkonvois durch die Sahara, vom nigerischen Agadez bis Djanet im Südosten Algeriens. Der Titel kündigt bereits die doppelte Perspektive dieses Films an, der zwar in Afrika spielt, doch von (der Utopie) Europa handelt: Die Beschwernisse der Wüstendurchquerung, die die Migranten geduldig über sich ergehen lassen, spiegeln ihre Verzweiflung wie auch die Hoffnung wider, nördlich des Mittelmeers ein besseres Leben zu finden.

Durys Kamera folgt zwei Geländewagen, völlig überladen mit rund 40 jungen Männern, deren Füße beinahe den Sand berühren. Unter Führung der ortskundigen Tuareg-Nomaden kämpft sich der sagenhafte Tross über bucklige Pisten durch Buschland und Sandstürme voran. Schals und Turbane bieten den Männern kaum Schutz gegen den Sand und die unbarmherzige Trockenheit bei Tag; gegen den Nachtfrost kann auch das Lagerfeuer kaum etwas ausrichten.

Selten tauchen am Straßenrand Lebenszeichen auf, nur um gleich darauf wieder in der Unendlichkeit der Wüste zu verschwinden: Man sieht Kinder, die den einzigen Weißen im Konvoi erblicken, einen Frosch, der um sein Überleben kämpft und einen Geier, der auf die Verlierer dieses Kampfs wartet. In der Wüste bleiben die Männer für sich: Sie bleiben auf Distanz voneinander, kämpfen um den knappen Platz auf der Ladefläche und fixieren das Nichts, eine Mischung aus Müdigkeit und Hoffnung im Blick. Nur die Nacht bringt die einsamen Migranten einander näher, wenn das Lagerfeuer inmitten der unendlichen Wüste einen abgeschlossenen Raum schafft.


Olivier Dury bemüht sich um größtmögliche Objektivität: Er beschränkt sich aufs Beobachten, verzichtet auf einen Off-Kommentar und wählt sich nicht einmal einen Protagonisten aus der Gruppe der Migranten. Warum nehmen diese Männer aus dem Niger, dem Senegal oder Mauretanien einen solchen Leidensweg in Kauf? Ist es der Kampf ums Überleben? Sind es politische Gründe? Und was erwartet sie in Europa? Der Status eines »Illegalen«? Die Ausweisung? Der Film gibt mehr Fragen über die afrikanische Migration nach Europa auf als er beantwortet. Doch diese verrätselte Zurückhaltung ist gerade seine Stärke. Der Horizont vor und hinter der kleinen Karawane schwankt, flimmert und wird unscharf: Ebenso wie die Gründe ihrer Migration der Fantasie des Zuschauers überlassen werden, wissen die Reisenden selbst nicht, welcher Fata Morgana sie entgegensteuern.

In seinem Filmdebüt erfasst Olivier Dury ein komplexes Thema in poetischen Bildern und leisen Tönen. Immer wieder tauscht die Kamera des Franzosen stumme und verstehende Blicke mit den Menschen aus, deren Entwicklung von »Reisenden« zu »Migranten« und »Illegalen« Dury in diesem ungewöhnlichen »Road Movie« darstellt.


Fotos: 1,3,4: Filmstills "Mirages", Olivier Dury; 2: Filmstills "Bab Sebta", Pedro Pinho/ Frederico Lobo

Zum Weiterschauen und -lesen

Dokumentarfilme über das Thema der afrikanischen Einwanderung nach Europa

• Dury, Olivier: Mirages (Durch die Wüste). Frankreich, 2007. 46 Min. TV-Erstausstrahlung: ARTE, 6. Juli 2008.
• Pinho, Pedro/ Lobo, Frederico: Bab Sebta. Portugal, 2008. 110 Min.
• Heller, Charles: Crossroads at the Edge of Worlds (Kreuzung an der Grenze der Welten). Schweiz, 2007. 37 Min.
• de No, Juan Luis: La Ciudad de la Espera (Die Stadt der Hoffnung). Spanien, 2006. 60 Min.
• Mora-Kapi, Idrissou: Arlit, la deuxième Paris (Arlit, das zweite Paris). Burkina Faso/ Frankreich, 2005. 78 Min.
• Watkins, Patrick: Paroles des Sans Papiers (Worte der Einwanderer ohne Papiere). Frankreich, 2006. 15 Min.
• Rych, David: Sans Papier – Illegalized People (Einwanderer ohne Papiere – Illegalisierte Menschen). Deutschland, 2004. 14 Min.

• Manu Chao: Clandestino. Virgin Records, 1998.