Wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration gegen Korruption ist der kamerunische Bürgerrechtler Bernard Njonga am Freitag zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. „Die Regierung will uns zum Schweigen bringen“, sagte Njonga auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Er ist der Präsident der größten westafrikanischen Bürgerbewegung, des ACDIC, die 10.000 Landwirte und Verbraucher vertritt.
Fotos: Sebastian & Lukas/ Medienkolleg Innsbruck
Njonga erfuhr von dem Urteil während des Kirchentags, bei dem er auf Einladung des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) über Ernährung im 21. Jahrhundert referierte. „Das Urteil ist ein Angriff auf die Rechte der Zivilbevölkerung und ein harter Rückschlag für Kamerun“, erklärte EED-Experte Rudolf Buntzel. An die Bundesregierung appellierte er, die Gerichtsentscheidung zu verurteilen.
Die auf drei Jahre ausgesetzte Bewährungsstrafe werde Njongas Arbeit massiv behindern, sagte Buntzel. Bis 2012 dürfe er die Regierung nicht mehr kritisieren, wenn er keine Haft riskieren wolle. 2011 finden Präsidentschaftswahlen in Kamerun statt; der amtierende Präsident Paul Biya ist seit 25 Jahren an der Macht.
Dennoch will Njonga nach Kamerun zurückkehren. „Wir haben keine andere Wahl als weiter für unsere Rechte zu kämpfen“, betonte er. Am 10. Dezember 2008, dem Tag der Menschenrechte, hatte die kamerunische Polizei eine Demonstration der ACDIC gewaltsam aufgelöst und Njonga sowie neun weitere Aktive vorläufig festgenommen. Die NGO hatte gegen Korruption im Landwirtschaftsministerium demonstriert.
Seit 1996 wird das westafrikanische Land von europäischen Billigimporten überschwemmt. Tiefgefrorene Hühnchen aus Europa zerstören die lokalen Märkte. Außerdem gefährden sie die Gesundheit der Konsumenten, wenn das Geflügel bei der Lagerung auftaut.
(nach einem Exklusiv-Interview für EED & Kirchentag >)