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Dienstag, 15. Dezember 2009

Something is rotten...









Tapsig wie Katzenpfoten
fallen die Flocken
auf zitternden Grund.

Auf maßgeschneiderte Anzüge
und maßlose Häupter
ganzer Staaten in Kopenhagen.

Bedecken sie Asche
gewordene Protestschilder,
lindern sie die wohltuende Angst
vor globaler Erwärmung.

Sickern als Argumente in die Verhandlungen
wo kein Betroffener je die Stimme erhebt:
Unschuldige Boten
eines zynischen Gottes.












(As snow begins to fall in the last week of COP15-negotiations, Christiania is surrounded by policemen, hundreds of critiques detained, developing countries resigned and COP15 in the hand of sceptics and lobbyists.)

Samstag, 20. Januar 2007

Kuuva









Im Winterzelt zweisam
überlebt sich am besten, was einsam
zu Tode erschrecken,
vor Kälte erstarren ließe.
Ein Stück Stoff, das den Schnee siebt,
uns mit hinabzieht
- dorthin, wo das Meer knackt und schweigt -
ist unsere Scholle der Zivilisation inmitten
tödlicher Natur, die nichts übrig ließ,
was nicht schon weiß und hart war,
ist es jetzt.
Der Leuchtturm draußen, die majestätischen Fähren,
sind nur noch Symbole,
die uns im Siebensekunden-, Zweistundentakt daran erinnern,
dass die Menschheit die Fahne gehisst hat, seit Jahrhunderten
sich als Gewinner schreibt gegen die Natur,
wo nicht Einzelmenschen zittern, taumeln -
Ein Sieg,
den Leuchtreklamen über der Stadt und
immer gefüllte Schaufenster verkünden,
als wäre dem einsamen Menschenwesen dort unten
tatsächlich die Erleuchtung gekommen, als wären
seine Taschen nicht leer.
Schiffe fahren vorbei und winken nicht,
der Leuchtturm spricht kalt uns die Kunde vom Hafen
hinter tödlich splitterndem Eis,
dessen Matrosen bemützte Maschinen
und keine Menschenfischer mehr sind,
dessen Skyline den Himmel zementiert.
Im Winterzelt zweisam
erlebt sich am besten
die Menschheitsdämmerung.

- Für A. -


(Und noch einmal in Prosa >>)

Samstag, 26. November 2005

Envahit-moi par ton chaleur,
Soit un vent tropique dans ma nuit bleue,
Et je t’enveloppe dans ce baiser blanche
Dont le ciel couvre tendrement ma ville.

- Para CGS -

Montag, 31. Oktober 2005

Lissabon - Ende ohne Anfang

Ein Blick aufs Meer; und zurück aufs Land, das sturmumtost festhält, was es doch bald verlieren wird; in einer letzten endlichen Umarmung. An diesem unwahrscheinlichen Fleckchen Erde in einem unauffälligen Land, deren weißer Lehmhütten man erst gewahr wird, wenn man ganz nahe herankommt, zögert eine Stadt den Abschied hinaus - den unumgänglichen Abschied des Festlands vor dem räuberischen Meer. Jahr um Jahr bröckelt ihre Küste, vertreiben Fluten und Erdbeben die Bewohner aus ihren Häusern; und doch hält die Stadt am Unmöglichen fest - aus Liebe zu sich selbst, aus Wissen um die Sterblichkeit alles Irdischen, aus Demut vor dem Schicksal.
Auch wir waren Lissabonner seit jenem frühen Tag, da wir in einem Wohnzimmer am Ende der Welt unser Ende sahen in aller weltanschaulichen, sprachlichen und geographischen Klarheit. Denn obwohl wir wussten, dass wir wie Staub verwehen müssten, falls wir an jenem unsagbaren Ort blieben, entschieden wir, um jenes anderen Erdwesens willen zu verharren bis zum allerletzten Moment, das Schweigen kreisen zu lassen um einen einzigen Tag und eine ganze Zukunft wie die Aasgeier um die Küste vor der Flut, bis wir selbst ins Meer gespült würden - er vorwärts, rückwärts ich.
Doch wir wurden niemals mehr dieselben; Melancholiker, "Lissabonner" von diesem Moment an, in dem die Gewissheit um das bloße Warten sich in uns festsetzte wie der Staub von Jahrhunderten.
- für T. -

Mittwoch, 9. Juni 2004

büchse der pandora













in einem schuhkarton
unter seinem bett
hat das glück das warten satt
steigt in den schnellzug und fährt ab
-derweil es die melacholie befällt-,
macht seine freundin schluss
mit ihm und ihrer zweisamkeit
für einen dritten mit doktorhut,
macht seine geliebte
schwester schluss
mit sich und ihrer einsamkeit,
bleiben die gewinner gewinner
und die verlierer verlierer
für immer
stirbt die letzte hoffnung
in einem schuhkarton
unter seinem bett
bricht der dritte weltkrieg aus
- und er liegt da und träumt
vom glück der großen weiten welt
und seinen neuen turnschuhen
die ihn hineintragen sollen

Freitag, 14. Mai 2004

Vignette du Bonheur









Aucun sou dans la poche
Mais du vin dans la bouche
Aucune raison
Mais un rire dans la tête
Un ciel obscure
Mais de la lumière dans son regard
- Comme c’est simple, le bonheur !

- Para F. -

Samstag, 20. März 2004

Nachtirrgang









... comment je suis perdue,
dans les rues, dans les rues...
Ces étendus mal éclairés
ne plus ressemblent à des allées,
si vidés, si vidés -
C’est le sabbat dans le quartier.

Le seul vivant que jamais je vois
c'est cette vieille enfant derrière les miroirs
dont j’esquive le regard sans sympathie,
son sage austerité me terrifie.

Derrière une douce brise d’été
m’envahit la fumée des cheminées.
Des ombres avalent mes traces,
des revenants me menacent
et m’éveillent des nuits pareils :
ces rues désertes, les gens en alerte
et plein d’angoisse quand quelqu’un passe
et l’haleine du Mont Odile les tracasse.

Comment puis-j’encore avancer
si mon histoire est préfigurée?
Comment arper sous l’infinie sans peur
qui ignore son propre intérieur.
Suis-je par hasard des didascalies ?
Qui, sinon moi, est le maître de ma vie ?

Cette idée me bouscule, je cesse, je recule,
les astres tombent, l’univers me plie.