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Donnerstag, 20. Oktober 2011

Participating in this year's European Youth Media Days in the European Parliament

(photos: EYMD)

Samstag, 7. März 2009

Liebe Deine Feinde

Die BILD übernimmt meine Exklusivmeldung aus der CDU-Bundestagsfraktion.

Wie dieses Geständnis zustande kam? Als Praktikantin des epd wurde ich gestern morgen auf eine nichtssagende Pressekonferenz der Unionsfraktion geschickt. Die Pressemitteilung kündigte Selbstbeweihräucherung an und ich hatte eigentlich keine besondere Lust. Dasselbe hatten sich andere Redaktionen auch gedacht - ich fand mich jedenfalls als einzige Journalistin in der Presselounge der Union wieder, sehr zum Schrecken der sechs MdBs, die 100 Stühle aufgestellt und ebensoviele Pressemappen aufgeschichtet hatten. Frau Fischbach wirkte sichtlich verärgert, die Unionsmänner standen um sie herum und rissen Witze, um die Situation zu überspielen.
Nach zwei Sätzen zur neuen Broschüre, die alle Erfolge der Unions-Frauenpolitik aufliste, war Fischbach mit ihrer Vorstellung am Ende und alle Augen richteten sich auf mich. Fragestunde! Zum Glück hatte ich am Vortag eine Bundestagsdebatte mit von der Leyen zum selben Thema verfolgt und war zwar überrumpelt, aber nicht ahnungslos..

Sonntag, 1. März 2009

Das ist keine Meldung, sondern Agenda-Setting :-) (von mir, ich geb's zu).

Montag, 28. Juli 2008

Redaktionsodyssee, deuxième partie


Nach einem "Surfurlaub" auf der Deutschen Welle, me voilà sur la côte méditerranéenne, bei Radio Grenouille 88.8! Vom Bonner Riesen mit 1000 Mitarbeitern nun zum Zwerg in Marseille mit 20, von der internationalen zur lokalen Kulturredaktion. Mais attention: Für seine eher bescheidene Größe ist Radio Grenouille gar nicht so übel und äußerst gut vernetzt. Eingebunden in die Kulturfabrik La Friche de la Belle du Mai pflegt Grenouille auch Abkommen mit bedeutenden Kulturevents der Stadt, wie dem Dokumentarfilmfest FID Marseille und dem Festival für Experimentalmusik MIMI auf den Îles du Frioul. Als einziges der fünf Stadtradios richtet es dort öffentliche Live-Plateaus ein und berichtet allabendlich direkt vom Ort des Geschehens. Damit wird Radio Grenouille zu einem Teil der Festivals. Mit ihren avantgardistischen Ansätzen und radiophonen Experimenten sind die Redakteure und Moderatoren selbst stadtbekannte Kulturschaffende.
Doch wie kann ein so kleiner Sender rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche ein abwechslungsreiches Programm senden? Durch zwei sehr unterschiedliche Kooperationen: Von ARTE-Radio in Paris bezieht Radio Grenouille aufwändig recherchierte und produzierte Reportagen, vom Netzwerk der französischen Campusradios IASTAR die gelungensten Stücke der Nachwuchsjournalisten. Der Mitarbeiter des Monats seit Computergedenken heißt Polo. Er hat einen Quadratschädel, brummt ständig vor sich hin und hält auch nachts tapfer die Stellung, wenn alle Frösche schlafen. Zum Abendessen bekommt er 16 Stunden Wort- und Musikbeiträge und in Vollmondnächten sogar Klangcollagen aus Tiergeräuschen, mit denen er die schlaflosen Städter unterhält oder ins Reich der Nacht befördert, bis nur noch einer einsam wacht: Polo.
Radio Grenouille ist in Marseille gerade in der linksintellektuellen Szene hoch angesehen. Es gilt als gleichermaßen avantgardistisch und sympathisch, experimentell und engagiert. Grenouille bietet alles, was das Ohr begehrt, nur keinen Mainstream:
Die Berichte tauchen ein in das Leben der Mittelmeerstadt: Ein Flohmarkthändler erzählt die Geschichte seiner Verkaufsobjekte und ein Obdachloser sein Leben; ein afrikanischer Philosoph deutet die letzte Sarkozy-Rede und Toni Negri die Zukunft des Films. Der Dualismus zwischen Kunst auf der einen und Politik auf der anderen Seite verschwindet bei Radio Grenouille. Es spürt die sozialen und politischen Brennpunkten der Mittelmeerstadt auf und zeigt Kultur immer im Rahmen des jeweiligen Milieus. Ähnlich bunt gemischt ist das Musikprogramm des Senders: Es reicht von Jazz über Punk hin zu Hip Hop, stellt französischen Elektro neben algerische Volksmusik, streift Stile und Jahrzehnte und macht nur um die aktuellen Charts einen weiten Bogen.

Weitere Einträge zu Marseille/ Radio Grenouille:
Radiomachen im Edel-Squat
Une Grénouille à la Méditerranée

Sonntag, 27. Juli 2008

La Friche/ Radio Grenouille 888



Den besonderen Charakter dieses Stadtradios lässt schon der Redaktionssitz erahnen: Die Friche de la Belle du Mai war lange Zeit eine industrielle Brachfläche in einem Arbeiterviertel direkt an den Bahnschienen von Marseille. 1992 haben Künstler und Kulturschaffende auf den Ruinen einer ehemaligen Tabakfabrik Container aufgestellt, so dass dort nach und nach 60 kleine Kulturunternehmen mit insgesamt 400 Mitarbeitern einziehen konnten. Mit ihnen kam nach und nach Farbe an die Container, kunstvollen Graffitis an die Mauerreste und die nötige Infrastruktur auf das Gelände. In der verlassenen Tabakfabrik qualmen heute tagsüber die Köpfe und abends die Joints. In direkter Nachbarschaft zu Radio Grenouille werden Kulturevents geplant, Ausstellungen entworfen, Kinos verwaltet und Tanz- und Theaterproben abgehalten. Auf dem Abrissgelände ist ein einzigartiger inspirierender Ort geworden, der sehr typisch für Marseille erscheint. Der Un-Ort der 80er Jahre ist heute die Ideenschmiede für Marseille, die sich 2013 „Europäische Kulturhauptstadt“ nennen will.
Dabei hat der Charme der Improvisation diesen Edel-Squat nie verlassen: Die 400 Mitarbeiter teilen sich vier Toiletten, zu denen man erst gelangt, indem man das Dach herunterhüpft – eine kleine alltägliche Hommage an das Erfinderland des Parcours, für ältere Mitarbeiter oder Rollstuhlfahrer aber undenkbar. Bis zum Nachmittag heizt sich das exponierte Betongelände entsetzlich auf; einzige Kühlung versprechen die leckenden Klimaanlagen, die draußen kühles Wasser vertropfen. Zu später Arbeitsstunde besucht mich regelmäßig eine Maus, die durch die Wand kriecht und schon mal bis auf den Schreibtisch gelangt und an der Computermaus vorbeirennt, ohne sich dieser Artgenossin bewusst zu werden. Ihre Urahnen kannten bestimmt noch die Arbeiter der Tabakfabrik. So verbindet die Mäusegenealogie die Kulturarbeiter mit den „blue collar workers“ und bewahrt sie vor jeder Abgehobenheit. Ob es die leckende Klimaanlage ist, die die Frichiers so solidarisch mit den gesellschaftlichen Randgruppen macht?
Eine Friche sei der „Versuch zur Reterritorialisierung, zur Wiederherstellung eines realen Ortes“ und damit eine Antwort auf die „Tyrannei der allzu realen, virtuellen und verweltlichten Zeit“, schreibt der französische Philosoph und Medienkritiker Paul Virilio. Das ist in Marseille gelungen. Doch gleichzeitig scheint es, als sei das Quartier mit seinen Tunneln, Spelunken und Türschwellenteenies auf so viel Realismus gar nicht vorbereitet. Es gibt keinen erschwinglichen Mittagssnack in einem Kilometer Umkreis. Als sich vier Künstler zur Rushhour mit Gummibändern an den Ampeln vor der Friche anketten und in der Rotphase auf die Straße hechten, um gleich darauf zurückgeschleift zu werden, ist dieses Wirklichkeit gewordene Computerspiel den Autofahrern nicht ganz geheuer: Sie zeigen, wie gut sie das Ignorieren des Nicht-Ignorierbaren beherrschen. Ich finde, das sollte man sich in Marseille für blöde Anmachen aufsparen und stehe minutenlang mit offenem Mund an der Kreuzung. Außenstehende Besucher trauen sich nicht an dem griesgrämigen Wachtmann mit seiner Bulldogge vorbei. Bei so viel „Street-Credibility“ ahnt kaum jemand, was für ein freundliches Duo sich dahinter verbirgt. (Ich habe es erst an einem Wochenende herausgefunden, als sie bei einem Fotoshooting auf dem verlassenen Gelände plötzlich hinter Andy und mir auftauchten. Habe mich ziemlich erschrocken, dabei warteten sie nur, um nicht durchs Bild zu laufen.)

Freitag, 11. Juli 2008

Une Grénouille à la Méditerranée


Unser tägliches Plateau beim „19. Festival International du Documentaire“ wird als öffentliches Live-Podium angekündigt: Der Frosch kommt aus seinem Tümpel gedümpelt und zeigt sich der Welt!
Unsere Redaktion ist für eine Woche in den Umkleideraum des Theaters gezogen und kommt jeden Abend zwischen 18-19 Uhr auf die Bühne gehüpft – und gleichzeitig in die Frequenz 88.8. Die Bühne ist uns egal, wir schleifen die Kulissenatmosphäre so weit wie möglich mit: Erst auf Kussdistanz zum Mikro beginnt der öffentliche Raum. Die wenigen Besucher des Theatercafés sind ohnehin ganz in die Augen ihres Gegenüber vertieft. Die beiden geschwätzigen Tische, die da in der dunkelsten Ecke des Raums aufgebaut sind, stören kaum.
Radiomenschen wissen ja nichts so gut zu kultivieren wie die Privatheit ihres Aussehens; wenn die Stimme schon öffentlich ist, dann soll das Hemd umso knitteriger sitzen, die Schnürsenkel offen und der Atem tabakschwer sein dürfen. Mit Schadenfreude denkt man an die Fernsehkollegen. Wenn jemand das Medium wechselt, dann sicher nur vom Fernsehen zum Radio, mit zunehmendem Alter vielleicht, niemals andersherum. Wer einmal beim Radio war, genießt es viel zu sehr, zu spät zur Sendung zu kommen, im laufenden Programm die Texte Korrektur zu lesen und Faxen zu machen sobald ein anderer das Sprechen übernimmt – am schlimmsten sind die Cutter in ihren schallgeschützten Pegelräumen! Das sollte mal jemand aufnehmen und über den Äther schicken; vom spontanen Unterhaltungswert, den zwei Tontechniker in der Lästerkammer schaffen, können gelernte Journalisten nur träumen. Für den Hüter des Programmauftrags wäre das allerdings ein Albtraum.
Im Théâtre „La Criée“ herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, am Tisch sitzt nur, wer wirklich in den nächsten fünf Minuten seinen Auftritt hat. Die kleinsten Journalisten (moi, par exemple) laufen Wörter wiederkäuend auf und ab, die größten ViPs rennen keuchend vom letzten Termin aufs Plateau. Hinter unserer cinematographischen Artusrunde gibt eine große Fensterscheibe den Blick auf den alten Hafen von Marseille frei. Tausende weiße Segelboote schaukeln auf unsichtbarem Wasser. Eine Handbreit von unserem Plateau läuft ein Hans-guck-in-die-Luft mit Badehandtuch und Plastikpaddel vorbei, auch er träumt vom Meer. Die seltsamen Geräusche hinter der Scheibe holen ihn ins Diesseits zurück. Er öffnet kurz die Tür und lässt sie Sekunden später gelangweilt zurückfallen. Jetzt höre ich auch mal rein: „…j’ai rien de particulier à dire là-dessus.“ Einer der Festivalmanager hat schon zur ersten Frage nichts Besonderes zu sagen. Mir verschlägt es auch gleich die Sprache. Ich drehe mich schnell ab, schäme mich mit und kann mir das Grinsen nicht verkneifen. Vielleicht hätten wir besser seine Praktikantin einladen sollen.
Dann fällt mein Name, ich springe an den Tisch und bekomme ein Mikro rübergerollt. Unsinnigerweise fällt mir noch auf, dass Marc seine einstündige Moderation mit der Hand geschrieben hat. Ich dagegen halte zwei frischbedruckte Blätter voller Tippfehler in der Hand, die von den Verirrungen einer deutschen Blindschreiberin auf einer französischen Tastatur berichten. Ich berichte von etwas ganz anderem: Von einem Film, der die tägliche Odyssee afrikanischer Migranten durch die Sahara bis zu den Mittelmeerhäfen verfolgt. In meiner Stimme hallt das Odyssee-Thema noch einmal nach, nur in umgekehrter Richtung, von Norden nach Süden. Spanische Namen klingen plötzlich französisch und mein Französisch dennoch deutsch. An der sprachlichen Anpassung muss ich noch mal drehen, da kann der Techniker nix mehr machen. Aber eigentlich sollen die Franzosen erst einmal anfangen, die mir ihren Akzent auf die falschen Worte gedrückt haben und deren Englisch man untertiteln muss! Pues, bon, na ja, ich verrate mich also. Zum Glück bin ich keine illegale ausländische Praktikantin, sondern ganz offiziell Cristiná Fleschén, die Unaussprechliche.
Ganz anders die Migranten aus dem Film „Mirages“, die uns im Großformat von den Leinwänden Marseilles anschauen und etwa gleichzeitig tatsächlich hier ankommen, als „Illegale“. Den bedenklichen ikonographischen Clash hat Filmemacher Olivier Dury herbeigeführt. Ich habe ihn am Morgen getroffen. Aus seinen Worten spricht eine Mischung aus Blauäugigkeit und totaler Verantwortungslosigkeit. Meine Frage überrascht ihn. Während der Dreharbeiten hätten die Migranten doch noch nichts davon gewusst, dass sie in Europa zu Illegalen würden. Ja, aber er doch... Dury lacht, räuspert sich, schüttelt den Kopf und die Frage ab: Er könne sich kaum vorstellen, dass „die geschätzte Regierung“ seinen Film unter diesem Gesichtspunkt registrieren würde. In welcher Welt lebt Dury? Die halbe linke Szene in Göttingen steckt in solchen Karteien – und ausgerechnet Sarkos Beamtenstab soll darauf verzichten. Dieses Mal lache ich, aber es klingt nicht fröhlich.

Kurzversion des Interviews:


(3'30 zu Beginn der Sendung, falls der Player nicht funktioniert einfach diesem Link folgen und ganz unten das "Magazine du 5 juillet 08" öffnen)

Die very important Gäste springen von den Sitzen auf, sobald ich die Hörer ablenke und verabschieden den Moderator mit lauten Worten und noch lauteren Wangenschmatzern. Biiiiis! Ich höre nicht ein Wort meines Beitrags, aber in dieser Atmosphäre ist es ohnehin schwer vorstellbar, dass dies nicht nur ein abstruses Abendessen zu fortgeschrittener Stunde ist. Die Gästen bechern unterm Tisch weiter und ich springe von Liaison zu Liaison, von Seerosenblatt zu Seerosenblatt... Vive la Grenouille!

Donnerstag, 20. September 2007

Hamburg meets Johannesburg - an evening with Joe Thloloe


„Journalism is for people who are committed to something bigger than themselves and the chequebook they get at the end of the month.” says Joe Thloloe into the complete silence of the room, where 22 young journalists from 22 countries, hardly impressible for everything they had seen and been confided yet, are simply holding their breathe. “We have to adopt the perspective of the underdogs of our society and use our influence to give a voice to the voiceless. This is what makes a good journalist.”
Joe Thloloe is perhaps one of the least known lecturers of the Summer Academy, this decent modest gentleman of sixty-something who has been appearing amongst the young journalists one evening on the dinner table and had assisted silently at the seminars. But he will be the last to be forgotten. His agenda of “ethic and responsibility of the media” was expressed a dozens times before by lecturers and course participants due to the topic of the Summer Academy but it has never been so credible, heart-moving and empathetic.
Joe Thloloe was 15 years old when he became a journalist without deciding to do so. It was in the midst of the apartheid regime in South Africa deep in the 1950s and he still attended highschool. Young Joe was caught in the middle of a warfare of youngsters in his township Lesotho who fought each other as a result of the dividing policies of the apartheid regime. He wrote a reportage and sent it to Times Magazine as all South African magazines at that time were in the hand of whites and would never have printed it. A senior journalist immediately came around and when he stunningly found out that all facts given by the unknown schoolboy were true, he made sure its publication. Young Joe was awarded “the incredible salary of ten dollars” and so motivated that he went on intermingling in public affairs by writing letters to the editor under a synonym. He didn’t come out with his identity until the day when his father asked him, whether by chance or by suspicion, if he knew this x who was publishing all these comments. Thloloe smiles when he speaks of this: “It’s me, father.” he had said. Nothing more.


In 1959 Joe Thloloe was in his mid-twenties and among the “angry young men” filled with the desire for a better life, the passion for literature and the wrath of the voiceless and oppressed. “We were always running around with a book under the arm, we carried our idols of literature and journalism even to our meeting places: We also wanted to write of “Mice and Men” as John Steinbeck did, felt related to Hemingway equally as to Chinua Achebe. We had such an urge to educate ourselves, for never to fall into depression and drunkenness as many of the great spirits of this time did.” These “Stormers and Stressers” of the Fifties, among them Nelson Mandela and many others later known for their revolutionary achievements, didn’t feel sufficiently represented by the African National Congress any longer and split into a more consequent wing: The x. From one day to the other they simply refused carrying their passes as prescribed. The apartheid government of the Buren had introduced the passports to divide all Native South Africans into arbitrary ethnic classes and by that prevent them to leave their township. “We wanted to set a sign and make this pass system collapse, at any price.” Joe Thloloe remembers in his quiet manner. The price to be paid was high. Those of the 200 (?) young ‘rebels’ who were imprisoned were rather lucky, 67 (?) of them were shot during deportation.
It was during his 18 month in prison that between sessions of torture and solitary reclusion that young Thloloe was taught his later profession which already was his whole passion: “There was a senior journalist in the same jail as me, whom I admired a lot. We lacked writing material but he gave me oral lessons and I wrote my first features on the toilet paper they provided to us, collecting pieces of information of the other rebels which they had written on their papers.” The tension in the seminar room is tangible, many of the 22 junior journalists come from developing or transitional countries and have learned their art under difficult circumstances. But who has ever heard of a journalist school in jail? “Have you never ever wanted to give up?” Ade wants to know and he can’t prevent his voice from trembling. The young Nigerian journalist can just now harvest the “Grapes of Wrath” in his own country which his parents’ generation has planted: He feels privileged and thankful to be able to confront government officials with awkward findings – persons which were still inaccessible for his mother.
Thloloe looks at the participants with cloudy but ever so astute eyes, with an exhaustiveness which doesn’t come from his long flight but from a life full of suffering, but with ever so much commitment. And they know: Never, never had he ceded. Neither when he was accused of activist journalism as a member of the then founded “Union of Black Journalists”, neither when he was becoming a “living dead” as no one could quote him or refer to his ideas without both of them going to jail. “During the three decades of apartheid writing, my wife and me tried to joke around that we could write a study about South African prisons, me from the inside and she from the outside perspective.”
Their fight was vindicated, his black humour finally justified, when at the beginning of the 1990s apartheid was abolished, the rule of law and democracy were installed and when the responsibles had to confront a truth commission.
After his unique journalistic career which lasted for 46 years, Joe Thloloe has now put the pen apart. Instead he serves as an ombudsman at the newly founded Press Council of South Africa, a self-regulative institution comparable to the “Deutsche Presserat”, which shows how far South Africa has already advanced. Furthermore he transmits his large experience to a young generation of journalists as to the participants of the Summer Academy in Hamburg. Thloloe clearly believes that solidarity of the journalists as shareholders of the “fourth estate” is required not only in South Africa: “At all times and right around the world you find people who need your voice, in Germany as well as in Sudan and Afghanistan. Even after the abolishment of apartheid regime I could imagine a lot of stories I would go back onto the streets for.” We believe him at once.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Schwimmübungen bei der Deutschen Welle

Puhh! Jetzt bin ich zwei Tage lang auf Zeitmanagement, Kameratauglichkeit und Allgemeinwissen geprüft worden. Und was soll ich sagen: Die Endrunde für ein Volontariat bei der Deutschen Welle war geradezu 'menschenfreundlich' und hat wirklich Spaß gemacht. Ja, S-P-A-ß ! Wenn man das Finale der Berliner Journalistenschule kennt, ist das nicht so selbstverständlich. Damals hatte ich meinen Drucker in einer Riesentasche von Göttingen ins Hauptquartier der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz geschleppt, wo der Reportagetest statt fand, alles selbst bezahlt und am Ende nicht einmal eine Auskunft bekommen, wie ich abgeschnitten habe.
Im Bonner Tagungsgebäude ist das allenfalls eine skurrile Geschichte aus einer anderen Bewerberwelt. Hier bekommen wir ein Hotelzimmer und die Anreise gestellt, werden vom Schuldirektor mit Handschlag begrüßt, in Kleingruppen durch DW-Redakteure betreut, tafeln dreimal täglich im noblen Speisesaal des GSI und gehen abends in den Rheinauen spazieren. Am Ende beraten unsere Tutoren uns noch ausführlich zu den Testergebnissen und zu unserem weiteren Weg. Wir Bewerber klammern uns an unsere Hoffnung, aber auch aneinander. Selbst in den nervenaufreibenden Minuten des Wartens, wenn einer nach dem anderen als "Korrespondent" vor die Kamera gerufen wird, tauschen wir mitfühlende, ermunternde Blicke. Als hätten wir nicht verstanden, dass da ein Konkurrent vor uns steht. Als glaubten wir an die Utopie der 31 neuen Volontäre.
Wenn ich vorerst noch nicht mit der "Welle", sondern gegen den Strom weiter schwimme, so fällt mir vielleicht der Abschied von diesen Einunddreißig am schwersten, mit denen ich so gerne zusammen gearbeitet hätte. (Na gut, um ehrlich zu sein: Die Bonner Rheinfelsen haben es mir bestimmt genauso angetan! Sooo ein Kletterparadies!)

P.S.: Beileidsbekundungen bitte an CF @ SUB-C3 oder schon mal nach Finnland

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Und damit komme ich zum interaktiven Teil dieses Blogs: Herzlich willkommen bei der Nominierungsrunde für die Merkel-Medaille! Die Vorgeschichte: In Bonn bin ich mit einem Block vor die Kamera getreten, um zwei Minuten über Merkels Kanzlerschaft zu berichten. Meine Hieroglyphen haben bei den anderen Bewerbern nachher für Heiterkeit und Gerätsele gesorgt. Jetzt bist Du dran. Wirf einen Blick auf den Block und los geht's im Gästebuch:

...und damit gebe ich an unsere Korrespondentin/ unseren Korrespondenten in Münchhausen. Frau Icks/ Herr Ypsilon, wie hat sich das öffentliche Bild von Angela Merkel in den zwei Jahren ihrer Kanzlerschaft geändert?


P.S.: Du berichtest aus Münchhausen, nicht aus Brüssel. Dein Beitrag wird an keiner Realität gemessen, who the fuck is Angie? Und: Du hast nicht wie wir eine Stunde, sondern einen Monat Zeit. Dann verrate ich hier auch meine Version. Als Gewinn winkt die Merkel-Medaille :o)

Mittwoch, 6. Juni 2007

Brave New www.orld

European media 2057 – a fictitious reportage

This fictitious reportage was written as an application task for the 1st "European Youth Media Days" (EYMD) 2007 in Brussels. Any resemblance with a living or dead person is purely accidental and cannot be taken seriously.
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Diese fiktive Reportage entstand als Bewerbungsaufgabe für die 1. Europäischen Jugendmedientage (EYMD) 2007 in Brüssel. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig und kann nicht ernst genommen werden.
(--> Deutsche Übersetzung weiter unten -->)




Brussels. The ‚waiting lounge’ of the Brussels Port of Transportation looks like a beehive this evening: More than a hundred journalists from all over Europe cling to their pentops and elaborate their coverage about the just finished European Youth Media Days 2057 that have been taken place on the occasion of the 100th jubilee of the Treaty of Rome.
Among the bustling journalists the only person who does not seem to be in a hurry is a woman in the mid-seventies. She sits down hither and thither and takes notes in a notebook that appears anachronistic in this place. The old woman is the media historian C.F. who already witnessed the first European Youth Media Days 50 years ago being a young journalist. In observing she now draws a balance of the development of the media market within the last half century.
In the room’s corner five journalists are sitting on a lounge bench. They know each other of earlier events and constitute one of the many editorial offices ‘on the road’:
Lars used to be part of the Brussels network of correspondents that dissolved when a decade ago a central independent European press agency was created and employed him as many of his colleagues. So instead of being published a day later in the Swedish press, his texts are nowadays translated into the 24 official EU-languages nearly simultaneously. As ‘content-on-demand’-solutions they are being offered to media around the world.
That’s how his commentary about the closing speech by the EU president can be read in the news ticker above the EYMD-report written by Mei-Wu few minutes later. The Asian journalists sitting next to him discovered the Internet as most adequate media to engage in political opinion formation as a political exile. She has founded a journal of political resistance that is read a million times in her own country via a hidden server. Carrying a complete digital equipment with her, she is director of photography, anchorwoman, cutter, editor and lector at the same time. Even before the colleagues around her had the time to see her ‘multimedia monster’ about the relevance of the freedom of the press, there are the first reader’s comments online.
Aischa-Marie could also sing a song about media’s potential influence in politics but she prefers writing a background story for ‘Le Monde’ and the Turkish ‘Hürriyet’ instead. Even before Turkey became a member of the European Union she had initiated a cooperation of these two ‘leitmedia’ of oriental and occidental culture respectively. This contributed largely to an interested and differentiated medial discussion in both countries. Following the example of the ‘big ones’, she now organizes exchanges between local newspapers from both countries. By letting a ‘local correspondent’ show from time to time a point of view from the other edge of the European Union they enrich their own profile and help creating a ‘Europe of regions’.
On the other end of the editorial bench two Spanish journalists discuss with two teenagers. Ana and Emanuel call themselves ‘media pedagogues’ as they have recently developed the integrative E-Zine ‘Laplumaparatod@s’ that gives ten Spanish and ten migrant youngsters the chance to write their own articles. The project aims at fostering the communicative capacities of the teenagers and at acquainting the young Africans with the Spanish language. Not all of the young authors of ‘Lapluma’ are going to become journalists, but certainly they are on the best way of becoming self-confident Europeans, smart writers and critical readers, once they have learned to orient themselves in the media jungle of the 21st century.
Hardly any of the reports about the EYMD that leave the room via wireless-LAN was created by one journalist only. Following the principle of ‘attribution and credit’ the journalists integrate either some agency’s material or the photos and texts produced by the young participants of the EYMD and offered in the Intranet. For an ongoing journalist such a publication is the best ‘business card’ in the ‘Second Life’ of the Internet that plays an important role whenever he applies for a media-related job.
There is no definite deadline for the online journalists and their working day goes on even on their way back home in the maglev or biojet. Sitting in the Transrap-2100 to Berlin Mei-Wu will do some last corrections and edit a last interview after having noticed the popularity of another interview in the assess statistics of the online-journal. At that time she will still remember the warm farewell from her European colleagues Lars, Aischa-Marie, Ana and Emanuel in Brussels and smile: Especially when the profession expands so much into the online-journalist’s private life, personal contacts and conversations are absolutely essential and irreplaceable.
When the results of this think tank have already spread in all directions of the virtual and the real world, only a notebook remains in the place of origin, forgotten by the media historian C.F. In a spidery handwriting she has written down:

“Media Landscape 2057: diversification and acceleration, new plurimedial ways of presentation combined with classical investigation, transnational cooperations but decentralisation, end of the journalist’s privilege of interpretation and beginning of a democratic writing era, harsh competition and entrepreneurial journalism combined with an ‘esprit de corps’ and corporative authorship, classical journalistic capacities as choosing contents critically are vested in the responsibility of a mature reader. EYMD 2057: great fun and deep insights as usual.“


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Brüssel. In der „Wartelounge“ des Brüsseler Verkehrshafen geht es an diesem Abend zu wie in einem Bienenstock: Gut hundert Journalisten aus ganz Europa lehnen über ihren Pentops und arbeiten an ihrer Berichterstattung über die gerade zuende gegangenen Jugendmedientage 2057, die anlässlich des 100. Jubiläums der Römischen Verträge statt fanden.
Inmitten der geschäftigen Journalisten fällt eine Mittsiebzigerin auf, die es als einzige nicht eilig zu haben scheint und sich mit ihrem anachronistisch wirkenden Notizblock mal hierhin, mal dorthin setzt: Es ist die Medienhistorikerin C.F., die als Jungjournalistin vor 50 Jahren die ersten Europäischen Medientagen miterleben durfte und nun beobachtend Bilanz zieht über ein halbes Jahrhundert europäische Mediengeschichte:
Auf einer Lounge-Bank am Rand sitzen vier Journalisten, die sich von anderen Events kennen und hier eines der vielen informellen „On the road“-Redaktionsbüros bilden:
Lars gehörte lange Zeit dem Brüsseler Korrespondentennetzwerk an, das vor Jahrzehnten in einer zentralen unabhängigen ‚Nachrichtenagentur für Europa’ aufgegangen ist. Statt einen Tag später in der schwedischen Presse zu erscheinen, werden seine Meldungen jetzt fast simultan in die 24 EU-Sprachen übersetzt und als ‚Content-On-Demand’-Lösung an Medien weltweit angeboten.
So wird man den Kommentar über die Abschlussrede des EU-Präsidenten, den er gerade verfasst, schon Minuten später im Newsticker über der Reportage der neben ihm sitzenden Mei-Wu lesen können. Im politischen Exil hat die Asiatin das Internet als Medium zur politischen Meinungsbildung entdeckt und ein Magazin des politischen Widerstands gegründet, das über einen versteckten Server allein in ihrem Land millionenfach gelesen wird. Mit einem kompletten digitalen Studio im Handgebäck ist sie Kamerafrau, Moderatorin, Cutterin, Redakteurin und Lektorin in einem. Noch bevor ihre Nachbarn ihr ‚Multimediamonster’ zur Bedeutung der Pressefreiheit gesehen haben, stehen die ersten Lesermeinungen dazu im Netz.
Über den politischen Einfluss von Medien könnte auch Aischa-Marie ein Liedchen singen, doch sie schreibt lieber einen Hintergrundbericht für ‚Le Monde’ und einen für den türkischen ‚Hürriyet’. Noch vor der Aufnahme der Türkei in die EU hat sie als freelance eine enge Kooperation beider Leitmedien bis auf die Ebene der journalistischen Ausbildung initiiert und damit maßgeblich zu einer interessierten und differenzierten medialen Diskussion in beiden Ländern beigetragen. Nach dem Vorbild der ‚Großen’ vermittelt sie inzwischen Partnerschaften zwischen französischen und türkischen Lokalzeitungen, die ihre Themen durch einen Blickwinkel vom anderen Ende Europas auflockern und schreibend ein Europa der Regionen errichten. Am anderen Ende der Patchworkredaktion sitzt eine Patchworkfamilie: Die Journalismuspädagogen Ana und Emanuel entwickeln zusammen mit zehn jungen Spaniern und zehn Migrantenkindern das integrative E-Zine ‚Laplumaparatod@s’, das früh die kommunikativen Fähigkeiten der Jugendlichen fördert und die Migranten mit der spanischen Sprache vertraut macht. Nicht alle jungen Autoren von ‚Lapluma’ werden Journalisten, aber mit Sicherheit werden sie selbstbewusste Europäer, pfiffige Schreiber und kritische Leser, die sich im Mediendschungel des 21. Jahrhunderts orientieren können.
Kaum einer der Beiträge über den EYMD, die über den Wireless-LAN diesen Raum verlassen, geht auf einen einzigen Journalisten zurück. Auch hier gilt das Prinzip ‚Attribution and Credit’: Neben dem Agenturmaterial greifen sie auch gern auf das ‚Copyleft’-Material zu, das die Nachwuchsjournalisten des EYMD produziert und ins Intranet der Veranstaltung eingespeist haben. Durch die ein oder andere Publikation und Nennung verbessert ein angehender Journalist seine ‚Visitenkarte’ im ‚Second Life’, die bei jeder Bewerbung eine Rolle spielt.
Für die Online-Redakteure in der ‚Wartelounge’ gibt es keinen endgültigen Redaktionsschluss und der Arbeitstag ist auch im Transrapid oder im Biojet noch nicht gelaufen. Auf dem Rückweg nach Berlin wird Mei-Wu wenig später letzte Korrekturen vornehmen und noch ein weiteres Interview als Sounddatei aufbereiten, nachdem die Zugriffsstatistik ein solch großes Interesse an den Delegierten-Interviews anzeigt. Dabei denkt sie an den herzlichen Abschied von ihren europäischen Kollegen Lars, Aischa-Marie, Ana und Emanuel und lächelt. Gerade wenn das Berufliche in Zeiten des Online-Journalismus so weit ins Private vordringt, sind persönliche Gespräche und Kontakte durch nichts zu ersetzen.
Während sich die Ergebnisse dieser Denkfabrik auf Reisekoffern in alle Himmelsrichtungen und alle virtuellen und medialen Kanäle verbreitet, bleibt vor Ort nur ein Notizblock zurück, den die Medienhistorikerin C.F. hier vergessen hat. Mit krakeliger Handschrift steht darauf:

„Medienlandschaft 2057: Diversifizierung und Beschleunigung, neue mehrmediale Präsentationsformen bei klassisch-investigativer Recherche, transnationale Kooperation bei gleichzeitiger Dezentralisierung, Ende der journalistischen Deutungshoheit und Demokratisierung des Schreibprozesses, Konkurrenzdruck und journalistisches Unternehmertum bei gleichzeitigem ‚esprit de corps’ und korporativer Autorschaft, klassische journalistische Fähigkeiten wie die kritische Recherche und Auswahl gehen an den mündigen Leser über. EYMD 2057: Wie immer viel Spaß und tiefe Einblicke.“

Donnerstag, 30. November 2006

Probieren geht über Studieren


Sonntag, 26.11.2006:
Schon im ICE nach Berlin holt mich die Berliner Politik wieder ein oder schon ab. Gerade eingeschlummert scheint mir mein Kopf einen Streich zu spielen wie so oft in den letzten drei Wochen, in denen ich so manches Mal mit einer UN-Mission im Kopf und dem Kopf auf dem Weltalmanach in der Nacht aufgeschreckt bin. Jetzt also wieder: „Harald Schwingtorff... habe gestern mit ihm telefoniert... er fühle sich nicht so gut, wird wohl nicht zur Ausschusssitzung kommen.“ Das wird ja immer schöner!
Ein Glück, dass diese Stimmen nicht aus meinem Kopf kommen, sondern von der Bank hinter mir. Der ganze Zug sitzt voller Abgeordnete, alle auf dem Weg zwischen dem Familienwochenende im Wahlkreis und ihrem Bundesratssessel, man könnte die Sitzungen wahrscheinlich gleich hier abhalten. Im Aufstehen drehe mich unauffällig um. Generalprobe für den Bildertest, der einen Teil der Aufnahmeprüfung ausmacht: Zwei ältere Damen, sehr gepflegt, sehr getöntes Haar, bunte Schals, üppige Fingerringe - und mir völlig unbekannt.
Ankunft im Berliner Hauptbahnhof. Wenn ich es geahnt hätte, hätte ihm mehr Beachtung geschenkt als allen Bundesratsabgeordneten zusammen. Hätte Reisende gefragt: Und, wie gefällt er ihnen? - Berliner: Ist es nicht schade um den Bahnhof Zoo? Und die Kosten für die Stadt..? - Ausländer: Monsieur, comment est-ce que vous vous débrouillez ici ? - Se siente bien guiada en la nueva estación central, Senora ? - Geschäftsinhaber : Wie läuft der Laden ? - Die Polizei: Und? Schon viele Einsätze gehabt? - Aber noch hatte ich ja keine Ahnung, dass eben dieses Bauwerk unser Reportagethema des nächsten Tages sein würde...

Montag, 27.11.2006
Am nächsten Tag sind wir überraschend „Gäste der Deutschen Bahn“, die uns mit Schnittchen, Wasser und einem Übermaß an Informationen zum neuen Berliner Hauptbahnhof versorgt, dessen Einweihung nun gerade sechs Monate zurückliegt. Vier Pressesprecher wie sie im Buche stehen bemühen sich redlich, uns vor eigenständiger Beobachtung und kritischen Nachfragen abzuschirmen, doch wir lassen uns nicht für PR-Berichte gewinnen, sondern fragen nach dem Architektenprozess („Keine Auskunft.“), den mangelnden Serviceeinrichtungen („Man kann auch alles schlecht reden!!“). Dann geht alles plötzlich sehr schnell. In zwei Büroräumen werden Computer und Drucker aufgebaut, die in unseren riesigen Koffern quer durch Deutschland gereist sind. Zwei Mädchen kamen gar mit dem Laptop aus Italien. Über den anachronistischen Vorschlag mit der Schreibmaschine mussten wir bloß schmunzeln; für so viel Nostalgie waren die zwei Stunden zu knapp bemessen. Und das waren sie auch so: Kaum jemand las seinen Text noch einmal Korrektur und erst in den letzten Minuten ratterten die Drucker simultan unsere Texte hervor.
Direkt im Anschluss der Bildertest: Es galt zwar keine schleswig-holsteinischen Abgeordneten zu erkennen, doch mit James Baker und Mohamed el-Baradei taten wir uns schwer genug. Da hatte man nun gerade den Weltalmanach auswendig gelernt und das Gleichstellungsgesetz studiert – und dann hält man Milton Freeman für den gleichzeitig verstorbenen Simon Wiesenthal und versetzt die Staatsoper unter den Linden ans Spreeufer.

Dienstag, 28.11.2006
Der Eingangsbereich des „Berliner Verlags“ gleicht an diesem Dienstag einem Ameisenbau. Aus den U-Bahn-Stationen ‚Alexanderplatz’ und ‚Rosa-Luxemburg-Platz’ schlüpfen alle paar Minuten junge Menschen in edlem Zwirn. Es ist leicht zu erkennen, wer das Prüfungsgespräch schon hinter sich hat und wer noch darauf wartet. Letztere drehen einsam noch ein paar Runden um den Zeitungsturm und sich selbst eine letzte Zigarette und werfen den fröhlichen Grüppchen der Wissenden neidische Blicke oder eilige Fragen zu.
Während wir oben warten und mehr ritualhaft als aufmerksam Zeitung lesen, kommt eine große Blonde herein, ganz souverän. Keine Nervosität? Keine erschreckten Blicke auf die Prüferliste: „Was, jemand von der BamS ist dabei? Was titelt die Bild heute denn?“ Die Gedanken hinter unseren Blicken sind leicht zu erraten: Wer so selbstbewusst hier aufkreuzt, wird bestimmt genommen... Stimmt sogar, aber nicht in diesem Jahr; die junge Frau ist Schülerin der aktuellen Lehrredaktion. „Unsere Vorgängerin“ würden wir am liebsten hinzufügen. Heimlich studiert jetzt wohl jeder im Raum ihre Haltung, ihre Stimme, ihre Wortwahl - so auftreten, gleich, vor der Prüfungskommission! Schließlich hatte sie vor einem Jahr „das gewisse Etwas“. „Matthias, die Reportage ist fertig. Wir drucken die Zeitung dann mal, ja?“
Wer den Ausbildungsleiter „Matthias“ nennen darf, hat es geschafft! Zum dritten Mal macht Herr Volkmar dieses Spektakel erst mit. Doch ob er noch mitfiebert, ob er schon persönliche Favoriten hat, lässt er sich schon jetzt nicht mehr anmerken; unsere journalistische Neugierde läuft ins Leere, ihm ist nichts zu entlocken. Die Entscheidung werde uns frühestens kurz vor Weihnachten mitgeteilt. In der Zwischenzeit werden alle 55 gleich an einem Plan B feilen, denn die Bewerbung an der Deutschen Journalistenschule München läuft in der Zwischenzeit an. Wenn die Ergebnisse aus Berlin vorliegen, wird die nächste Bewerbungsreportage längst geschrieben sein. Ein Ranking oder gar eine Evaluation der Ergebnisse dürften wir nicht erwarten, so Volkmar. So wird niemand erfahren, woran er – vielleicht zum wiederholten Male – gescheitert ist, und die Nummer 17 wird nicht ahnen, dass sie vielleicht nur ein schicksalhafter Punkt von der Aufnahme trennten. Ein ‚ja’ von der Prüfungskommission ist mit großer Sicherheit das Sprungbrett in die journalistische Karriere; ein ‚nein’ macht diese zwar noch nicht zunichte, aber vielleicht das Selbstbewusstsein des Bewerbers. Thomas ist erst 21 und denkt bereits jetzt darüber nach, den Journalismustraum hinzuschmeißen, falls es in Berlin nicht klappt. Kurzgeschichten könnte man schreiben. Die Kurve kratzen und an der Uni blieben, meinen andere. Oder doch den elterlichen Hof übernehmen, wägt Kathrin ab, die als Titelgeschichte für die morgige Bild am Sonntag eine Kälbchengeburt vorgeschlagen hatte.
Die nächsten bitte! Die beruhigende Zeitung aus der Hand legen, Kaugummi raus, lächeln. „Viel Glück“ ruft uns die Glückliche des Vorjahres hinterher. Unsere Vorgängerin. Ihren Charme, den der Unbeteiligten und Konkurrenzlosen, haben wir noch nicht. Aber einen schrägen Humor: Niemand tauscht hier Adressen aus, alle geben sich überzeugt, sich bald wiederzutreffen: „Wir sehen uns dann im April.“ Grenzenloser Optimismus, Galgenhumor und Provokation liegen an diesem Tag nah beieinander.