Freitag, 22. Mai 2009

Brot für die Welt: Wasser muss ein öffentliches Gut bleiben

Britischer Umweltjournalist kritisiert Import von Lebensmitteln aus Trockengebieten

(für die Nachrichtenredaktion des Evanglischen Kirchentags 2009 in Bremen)

Die Direktorin der Aktion Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, hat die EU für die Privatisierung der Wasserversorgung kritisiert. „Damit wird eine ungerechte Verteilung in Kauf genommen“, sagte sie am Freitag, 22. Mai, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen. Die Organisation Brot für die Welt will weltweit ein Menschenrecht auf Wasser durchsetzen.

Fritz Holzwarth, verantwortlich für Wasserwirtschaft im Bundesumweltministerium, pflichtete ihr bei: „Wer die Wasserversorgung kontrolliert, kontrolliert auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes.“ Dies dürfe nicht Privatunternehmen überlassen werden. Schon heute haben 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser, 80 Prozent von ihnen leben auf dem Land.

„Wir Europäer haben das Problem noch nicht begriffen“, sagte der britische Umweltjournalist Fred Pearce vor halbleerem Saal. Wasserkrisen seien längst keine lokalen Phänomene mehr. „In den Nahrungsmitteln, die wir importieren, stecken Unmengen von Wasser. Viele stammen aus Entwicklungsländern, die selbst unter Wassermangel leiden.“ Um die Nahrungsmittel für einen Europäer herzustellen, werden täglich rund 7.000 Liter Wasser verbraucht. Besonders wasserintensiv sind Nahrungsmittel aus trockenen Regionen, Fleisch und tierische Produkte. 11.000 Liter Wasser werden für das Rindfleisch eines Hamburgers gebraucht, 5.000 Liter für ein Kilo Reis und 4.000 Liter für einen Liter Milch.

„Bewässerungsprojekte sind eine enorme ökologische und wirtschaftliche Verschwendung“, sagte Pearce weiter. „Wir müssen die ‚Grüne Revolution’ durch eine ‚Blaue Revolution’ ablösen, also Lebensmittel anbauen, die weniger Wasser benötigen.“ Füllkrug-Weitzel stimmte ihm zu: „Sonst verschärften wir durch unsere Importe die Wasserkrise für die Armen.“

Odeh Al-Jayyousi von der Weltnaturschutzunion IUCN sagte, die Entwicklungsländer müssten ihre Ökosysteme besser managen und stärker miteinander kooperieren. „Hier können auch die monotheistischen Religionen eine Rolle spielen, die den Menschen als Bewahrer der Ressourcen begreifen“, sagte Al-Jayyousi weiter. Die Industrieländer müssten dagegen vor allem bescheidener werden: „Wenn wir alle den Amerikanischen Traum verfolgen und große Wagen fahren, richten wir unser soziales und natürliches Potential zugrunde.“