Tokyo taucht an der Oberfläche auf,
wir in sie ein – eine Stadt in weiß (Bürohäuser) und gelb
(Sonnenaufgang). Wir, das bin ich in einer fast leeren Metro, in der mich überall Gesichter anstarren: Von der flirrend bunten Werbung ringsum. Aberdutzende winzige Haltegriffe schwingen in
Vorfreude auf die Rush-Hour hin und her – obwohl: Freude? Ist das
hier vorstellbar? Zumindest jetzt, um kurz nach sechs, sind die Mienen
frostig und übermüdet, tief die Augenringe. Nur die Werbemenschen an
den Wänden tragen bunt und ein Lächeln; diese hier schweigen, dösen,
verstecken sich hinter Zeitungen und Atemmasken. Einmal meine ich
einen Straßenmusiker zu hören, doch es ist die Bahn selbst, die
eine elektronische Melodie von sich gibt. Sonst Schweigen. Nur ein Schüler – wie alle in steifer marineblauer Uniform, wie rauft man
darin eigentlich? - schaut munter in die Runde, doch als kein
Blick antwortet, vertieft er sich wieder in die Lektüre seines Schulheftes. Plötzlich eine Stimme. „Looook, you can you see Mount
Fuji over there!“ Der ehrwürdige Geschäftsmann neben mir ist zum
Leben erwacht. Gerade noch hat er mir mit einer vagen Wischbewegung auf der Karte den Weg gewiesen, mürrisch wie ich fand –
jetzt strahlt er und widmet sich mit kindlicher Ehrfurcht dem
Suchspiel nach Fuji-san, der hin und wieder für ein paar
Millisekunden zwischen den Häusern auftaucht.
(5.12., 6 Uhr Ortszeit, gefühlt 14 Uhr - kalifornische Zeit)