Der Konzern Rajawali fungiert als Gesandter des UN Global Compacts in Indonesien – doch vor Ort schürt er mit CSR-Maßnahmen falsche Hoffnungen
Wenn
Agrarkonzerne in Indonesien „CSR“ sagen, dann meinen sie damit nicht
selten die Bestechung weniger DorfbewohnerInnen auf Kosten der
Allgemeinheit. Sie beschwören bewusst Missverständnisse herauf: Was das
Dorf als Geschenk oder „CSR“ versteht, legen sie im Nachhinein als
Kaufsumme aus. Nachdem die Zerstörung von Sumatras Regenwäldern beinahe
abgeschlossen ist, steht nun Papua am Anfang vom Ende.
Als es um die Zukunft des Papua-Dorfs D.* geht,
sitzen nur alte und uralte Männer im Gemeindehaus, dösend die einen,
rauchend die anderen. Wirklich zuzuhören scheinen nur die Frauen, Kinder
und jungen Väter, die in Trauben an den offenen Fenstern und Türen
hängen, ohne die Schwelle je zu überschreiten. Sie lauschen dem
jung-dynamischen Papua im neongrünen T-Shirt, der sich als „David
Timotheus Julian Jamalu Aru, CSR-Beauftragter von Rajawali“ vorstellt,
jedes Wort betonend wie eine Auszeichnung. Er steht vorne am Ehrentisch,
gleich neben dem Dorfschreiber, der bei Arus Worten eifrig nickt – auch
wenn sie einer sehr eigenen Logik folgen: „Der Manager von Rajawali ist
kein schlechter Mensch, er ist Christ.“
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| Die Besuchergruppe würde gerne mit den Dorfbewohnern sprechen; statt dessen muss sie dem CSR-Beauftragten lauschen |
Land Grabbing zum Spottpreis
Niemand widerspricht. Die Alten schweigen, der
Schreiber schreibt. Jamalu Aru darf so sprechen, denn er ist einer von
ihnen – das enthebt ihn von jedem Misstrauen. „Ihr könnt mir doch nicht
vorwerfen für die globale Erwärmung verantwortlich zu sein. Ich bin in
D. geboren!“ Doch dort enden die Gemeinsamkeiten zwischen ihm und den
DorfbewohnerInnen auch schon: Aru trägt Markenkleidung, fotografiert die
BesucherInnen mit einer wertvollen Kamera – und wird für seine Rolle
als Kundschafter und Lobbyist bezahlt.
Sechs Milliarden indonesische
Rupiah hat das Dorf für sein Land erhalten, etwa eine halbe Million
Euro. Eine enorme Summe, dachten die Clanchefs. Ein Geschenk. CSR! Dass
diese Summe nur einen Bruchteil des tatsächlichen Marktwerts darstellt,
ahnten sie nicht. An den Folgetagen kamen Händler aus Merauke zum ersten
und letzten Mal in das Dorf und machten das Geschäft ihres Lebens. Sie
setzten utopische Preise an, bis zu 20 Mal höher als in der Stadt, und
wieder merkte niemand etwas.
Mittlerweile hat fast jeder Mann im Dorf ein Moped, einen Fernseher und ein Handy. Doch ein Mobilfunknetz gibt es nicht, vom Geld ist nichts mehr übrig – und das Land ihrer Ahnen ist verloren.
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| Für sein Land bekam Matius ein Handy – ein Mobilfunknetz gibt es nicht |
Mittlerweile hat fast jeder Mann im Dorf ein Moped, einen Fernseher und ein Handy. Doch ein Mobilfunknetz gibt es nicht, vom Geld ist nichts mehr übrig – und das Land ihrer Ahnen ist verloren.
Papua ist ein Schlaraffenland für Agrarkonzerne wie
Rajawali und Bergbauunternehmen wie Freeport: Die Westhälfte der Insel
Neuguinea ist reich an natürlichen Ressourcen; Holz, Kupfer, Gold,
Nickel, Gas und Öl scheint es im Überfluss zu geben. Gesetze existieren
nur auf dem Papier; so wird das Spezielle Autonomiegesetz von 2001, das
die Rechte der Indigenen sichern sollte, gar nicht umgesetzt.
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| Auf Schritt und Tritt dabei: zwei Mitarbeiter des indon. Geheimdienstes, Dorfsekretär (v.l.) |
Doch die Konzerne hatten nur wenig Interesse daran, Reis und andere Grundnahrungsmittel anzubauen. Stattdessen planen sie nun rentablere Palmöl-, Zuckerrohr- und Hackgut-Plantagen; 36 Investoren hatten bis 2011 bereits eine Konzession erhalten. „In zehn Jahren wird es in Papua ebenso aussehen wie jetzt schon in Nord-Sumatra“, schätzt Kristina Neubauer, Koordinatorin des West Papua Netzwerks (WPN). Nord-Sumatra, das heißt: gerodete Regenwälder, vertriebene Dörfer und hier und da ein paar Widerstandsgruppen auf verlorenem Posten, von Konzernmilizen bedroht.
CSR mit Kleingedrucktem
In Indonesien scheint die Faustformel zu gelten: Je
mehr Dreck am Stecken eine Firma hat, desto ausgefeilter ist ihre
CSR-Rhetorik. Rajawali gibt sich auf seiner Website philanthropisch und
greift die Bereiche auf, in denen der Staat versagt: „Das CSR-Programm
sieht vor, die lokale Community partnerschaftlich einzubinden – etwa
durch Landteilung, Kredite oder durch die Vergabe von Land an
Transmigrasi (geförderte Migranten aus anderen Teilen Indonesiens, Anm.
d. Red.). Andere CSR-Aktivitäten sind die Versorgung mit sauberem
Wasser, Gesundheitseinrichtungen, Grundschulen und besseren öffentlichen
Einrichtungen.“
Ähnliche Hoffnungen hat Rajawali auch den BewohnerInnen von D. gemacht; Jamalu Aru zitiert diesen „10-Punkte-Plan“ wieder und wieder. Von der Ergänzung im Kleingedruckten sagt er nichts, noch nicht: „Dies wird in Abhängigkeit von der finanziellen Situation der Firma umgesetzt.“ Ein Nachbardorf wird mit diesem Satz schon seit Jahren hingehalten.
Ähnliche Hoffnungen hat Rajawali auch den BewohnerInnen von D. gemacht; Jamalu Aru zitiert diesen „10-Punkte-Plan“ wieder und wieder. Von der Ergänzung im Kleingedruckten sagt er nichts, noch nicht: „Dies wird in Abhängigkeit von der finanziellen Situation der Firma umgesetzt.“ Ein Nachbardorf wird mit diesem Satz schon seit Jahren hingehalten.
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| Rien ne va plus |
Mit empathischem Tremolo feiert Rajawali auf seiner Website ein CSR-Projekt für die Opfer des Seebebens 2004: „Wenn Naturkatastrophen zuschlagen, reicht die Rajawali-Foundation den Bedürftigen eine helfende Hand. Es ist hoch erfreulich, Menschen von Nutzen zu sein, die tragische Verluste ertragen müssen und wenige öffentliche Einrichtungen haben, an die sie sich wenden können."
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| Müssen draußen bleiben, als es um ihre Zukunft geht: junge Leute in D. |
* Aus Sicherheitsgründen möchte das Dorf nicht genannt werden. Der Redaktion ist der Ortsname bekannt.





