
Zwei Prozent für die Piraten, doch von Enttäuschung keine Spur: “Das war nur die Generalprobe“, verkündet dieser Pirat auf der Wahlparty am Berliner RAW-Tempel optimistisch. „Bei der nächsten Wahl schaffen wir die Hürde. Die Grünen haben ja auch mal klein angefangen.“

Die Piraten sind wohl die einzige Partei, die die Niederlage mit Galgenhumor erträgt: Als Merkel auf der Leinwand ankündigt, sie wolle die Kanzlerin aller Deutschen sein, antworten die Piraten mit einem langgezogenen „Yeah!“

Piratinnen sind kaum zu sehen – weder unter den 300 Partygästen noch auf den Mitgliederlisten. Auf 20 Männer in der Partei kommen nur ein bis zwei Frauen. Warum denn bloß? Nun, einen Grund gibt es schon...

Ursprünglich sind die Piraten die klassischen Nerds, die am Bildschirm klebend die Welt von morgen programmieren – und dabei ganz vergessen, dass sie in dieser Welt noch ein kaltes Stück Pizza in der Hand halten.

Doch unter der Flagge der Piraten hat sich der Nerd aufgemacht, auch diese Welt zu entern, mit einem Mikro statt einem Pizzastück in der Hand. Der autarke Außenseiter wird zum homo politicus, der Pirat zur Landratte. Auch das war schon bei den Grünen so: Joschka Fischer tritt ja auch nicht mehr mit Turnschuhen auf.

„Nutze Deinen Änderhaken“ ist das Motto der Piraten. Auf der Wahlparty setzen die meisten ihren Anker an der Theke. Dort gibt es Steaks, Wurst und Maiskolben, umsonst und draußen und für alle. Das wäre doch mal ein Wahlversprechen: Mit uns muss niemand bei Schiffszwieback darben!

„Oberpirat“ Jens Seipenbusch springt vergnügt durch die halbleere Presselounge: „Mit der rasanten Entwicklung unserer Partei können wir sehr zufrieden sein.“ Wie das bei Piraten nun mal so ist, sind sie vor drei Jahren aus dem Nichts aufgetaucht; zwischen der EU-Wahl im Juni und der Bundestagswahl hat sich die Mitgliederzahl von 1.500 auf 10.000 mehr als versechsfacht. Inzwischen sind die Piraten die siebtgrößte Partei – nach der NPD.

(Foto: Anne Onken)
„Sweet Dreams are made of something“, schallert es bedeutungsvoll aus riesigen Boxen. Doch wovon handeln Piratenträume? „Bürgerliche Gleichheit, rationale Regelung von Konflikten, liberale Elite, öffentliche Tugend“, erklärt ein Plakat. Klingt alles andere als rebellisch und reichlich abstrakt. Frei nach dem Motto: Wer kein Versprechen macht, kann auch keines brechen.