Wenn aber ein Ressort den "Berichtigungs"-Kasten ritualisiert, dann ist die Ironie nicht zu übersehen. Genau das Richtige fürs taz-Feuilleton. Wie ein stummer Appell stehen die 6-12 Zeilen da: Bitte baut einen Fehler ein, damit wir jedenfalls morgen etwas zu berichtigen haben! Kleinvieh macht auch Mist, aber doch nicht täglich, und nicht auf zwei Kulturseiten. Stärker gefürchtet als spontane Nachrufe und Kommentare auf der Titelseite ist nur er: der kleine Berichtigungskasten, der täglich in einem rhetorischen Schlagabtausch von einem Schreibtisch zum nächsten geschoben wird. Und an besonders fehlerfreien Tagen landet er auf verschlungenen Wegen schließlich bei der Volontärin. Damit die sich irgendeinen Blödsinn ausdenkt. So was zum Beispiel:
Im nächsten Jahr werden wir viel zu berichtitititigen haben, denn während wir in die Tasten hauen, klopfen Bauarbeiter um die Ecke Steine - ein Jahr lang, Ruine raus, Haus rein. Zu schade, dass wir nicht zur Umweltbehörde gehen können wie unser Autor in Manila, der um Mitternacht mit "Morning Has Broken" beschallt wird, während wir hier den Morgen-Blues bekommen. Denn die taz liegt wohl kaum in einer "residential zone" und eine "Zone für lärmempfindliche Journalisten" ist in Berlin noch nicht eingeführt. Fragt sich, was schlimmer ist: unser Morgen-Blues oder "Morning Has Broken" um Mitternacht? Und ob Springer am anderen Ende der Rudi-Dutschke-Straße auch durchgeschüttelt wird?
War natürlich viel zu lang und ich hab's auf kompakte sechs Zeilen zurechtgehämmert:
"Morning Has Broken" in Manila, Morning-Blues bei uns: Wo wir in die Tasten hauen, klopfen Bauarbeiter Steine - eieieiein Jahr lang: Ruine raus, Haus rein, Kopf kaputt. Viel zu berichtigen in nächster Zeit. Ob auch Springer durchgeschüttelt wird?
Und während der Preßlufthammer abgeht wie ein Techno-DJ auf LSD, schürfen wir tief und finden - nichts:
Statt Lack und Leder lauter Leere: kein Foto von Britney, weiße Wände bei Nedko Solakow, Krautrocker, die keine sein wollen - und die SPÖ ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Die Dienstags-taz widmete sich dem Nihilismus in all seinen Erscheinungen. Nicht mal zu einem saftig-peinlichen Fehler hat's gereicht! Das Sommerloch wird zum Mahlstrom!