Donnerstag, 28. Februar 2008

Der Zukunft ihre Grammatik

Mein Nachhilfeschüler kann nicht unterscheiden zwischen Indikativ und Konjunktiv, zwischen dieser und einer Gedankenwelt. „Wenn ich in der Unterwasserkolonie wohnen werde....“ Ein „würde“ geht ihm nicht über die Lippen. Alles ist zusammengerückt in seinem Pokemón-Ballerspiel-Leben. Ein Hitlerbart, schnell aus Papier gerissen und unter die Nase geklemmt, ist ein Scherz; das entsetzte Gesicht der Nachhilfelehrerin wie aus der Zeit gefallen. Alles ist gleich wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. Auf dem Zeitstrahl zwischen Präsens und Futur malt er eine breite Abzweigung, die sich im Geäst eines toten Baumes verliert: die totale Zerstörung, der Weltuntergang. Nichts ist unmöglich für diesen 12-Jährigen. Drei Lutscher sind wie dreißig Euro, findet er. Und zu den dreißig Milliarden zur Bankenrettung ist es dann auch nicht mehr weit, findet seine Mutter. Nicht er hat die Parallelwelten erfunden; der Konjunktiv ist im Indikativ angekommen.