Montag, 10. März 2014

Tomohiros Schweigen


(Kolumne in der taz, veröffentlicht am 14.3.2013 >>)
Als in Japan vor genau zwei Jahren die Erde bebt, halten Ayako and Tomohiro Konno kurz in ihrer Arbeit inne. Mehr nicht. Sie produzieren und verkaufen Backsteine – ein florierendes Unternehmen. Viele Großstädter bauten Häuser in Fukushima, um ihren Lebensabend in der idyllischen Provinz zu verbringen. „Wir sind es gewohnt, dass die Erde zittert. Das passiert eben alle paar Monate mal. Aber dies –“, Ayako nimmt Tomohiros Hand. „Dies war kein normales Beben. Es dauerte viel zu lange.” Das Paar sitzt mir gegenüber auf dem Panoramadeck der Ocean Dream, Wind und Sonne auf der Haut. Fukushima ist weit weg, doch das Thema immer da. Seit wir auf See sind, erreichten uns drei Erdbebenmeldungen aus Japan, jede bringt den Schrecken des 11. März zurück. Die japanische Nichtregierungsorganisation Peace Boat klärt seit dreißig Jahren über die Risiken von Atomkraft auf; nach 3-11 hat sie in den zerstörten Präfekturen Häuser aufgebaut und Hunderttausende Suppen verteilt. Als die NGO auf ihrer Fahrt um dieWelt eine taiwanische Bürgerinitiative besucht, die gegen einAtomkraftwerk kämpft, lassen die Tonnos eine Botschaft überbringen. Sie selbst machen statt dessen lieber eine Sightseeing-Tour. „Wir brauchen Abstand.“
Wer selbst nichts dergleichen erlebt hat, kann sich die Risiken kaum vorstellen”, sagt Tomohiro Tonno. Atomkraft, das ist für viele Japaner die „gute” Energie; das Wort dafür – „genshi” – hat etymologisch nichts zu tun mit „kaku”, der zerstörerischen Kraft, die für Nuklearwaffen genutzt wird. Das suggeriert einen Unterschied, der wissenschaftlich nicht existiert. Beides setzt die Spaltung von Plutonium und Uran voraus; ein Land, das Atomkraftwerke hat, kann auch Atombomben bauen. Die Liberaldemokratische Partei, die bei den Wahlen am 16. Dezember die Macht in Japan zurückerlangt hat, hat jegliche Diskussion über einen Atomausstieg um drei weitere Jahre verschoben.
Die Tonnos glaubten an die Mär vom guten „genshi”. Sie rissen sich nicht um ein AKW in der Nachbarschaft, aber dagegen protestieren – ach wo. „Wir sagten uns: Irgendwo muss die Energie ja herkommen”, erinnert sich Tomohiro. Und im März 2011 dachten sie erst recht nicht an das Daichi-Werk, das 30 Kilometer von ihrem Haus entfernt an der Küste stand. Sie hatten Wichtigeres zu tun. Onigiri-Bällchen rollen zum Beispiel. Denn mit der ersten Tsunamiwarnung füllte sich ihre Firma mit Flüchtlingen, die ihre Häuser an der Küste verlassen mussten. „Wir brachten sie im Pausenraum unter”, erzählt Ayako. „Sie mussten ja irgendwo hin, einen Evakuierungsplan gab es nicht.” Also bereitete sie Reisbällchen und ihr Ehemann servierte – an ihren guten Sitten als Gastgeber sollte das Erdbeben nicht rütteln. Damit waren sie so beschäftigt, dass sie nicht einmal den Fernseher anschalteten.
Abends kam meine Freundin zu mir in die Küche und flüsterte: 'Ich habe Decken in den Kofferraum gepackt. So können wir jederzeit losfahren.' Erst da ahnte ich, dass wir vielleicht doch nicht so sicher waren wie die Regierung uns glauben machte.” Als die Tonnos sahen, dass die Familien der TEPCO-Arbeiter flohen, verließen auch sie ihre Stadt. „Wir nahmen nur die Klamotten mit, die wir trugen, denn wir wollten ja bald zurück kommen. Alle dachten so.” Doch ihre Odyssee hatte gerade erst begonnen. Sie blieben nie lange an einem Ort, Flüchtlingsunterkünfte gab es nicht und ihre Verwandten hatten nicht ausreichend Platz. Nach sieben oder acht Umzügen landeten sie in Tokio, wo die Regierung einige Wohnungen zur Vermietung an die Fukushima-Flüchtlinge reserviert hatte.
Die Tonnos kehrten noch zehn Mal ins verstrahlte Gebiet zurück, um ihre Firma zu schließen. Jetzt würde hier niemand mehr Backsteine brauchen, das wurde Ayako gleich klar. „Die Straßen unserer Stadt waren schon immer schmal”, sie lacht beim Erzählen, aber ihre Augen füllen sich mit Tränen. Noch einmal sieht sie Tsushima vor sich – die Geisterstadt, die nur noch in der Erinnerung existiert. Die überwucherten Straßen. Die halb zerfallenen Häuser. „Wir hatten eine Katze.” Tomohiros Mundwinkel zucken, er schiebt seinen Barhocker zur Seite und geht ohne ein Wort hinaus. Ayako nickt. „Als wir im April zurückkamen, sahen wir sie noch lebendig.” Sie flüstert jetzt fast. Die Stimme der Übersetzerin zittert. Ich halte die Luft an. „Sie sprang zu uns ins Auto. Als wollte sie sagen: 'Lasst mich hier nicht allein.' Aber in unseren Unterkünften gab es keinen Platz für sie. Wir sahen sie nie wieder.”
Tomohiro kommt zurück. „No nuke”, sagt er auf Englisch. Viel zu spät sei diese Erkenntnis gekommen. „Wir haben die Atomenergie passiv unterstützt, weil wir geschwiegen haben.” Seit sie in Tokio wohnen, versuchen sie alles nachzuholen. Gehen auf Demos. Arbeiten als Freiwillige für Peace Boat – und bekamen dafür die Reise erstattet. „Zusammen haben wir eine Millionen Yen (Zehntausend Euro) von der Regierung erhalten, doch um unseren Verlust zu kompensieren, reicht das nicht”, sagt Tomohiro. „Wir haben keine Arbeit und kein Zuhause mehr.”
Die Loungemusik aus den Lautsprechern geht in die dritte Schleife, der Barkeeper mixt Cocktails und im Pool platschen Teenager. Tomohiros Blick verliert sich in der Ferne. Der Ozean ändert sich täglich. Es ist nicht so sehr die Form der Wellen, sondern all das schon Vergessene und noch Erhoffte, das aus ihm auftaucht, wenn wir ihn lange betrachten. Für einen Moment wirkt Tomohiro unendlich verlassen.

Foto: Christina Felschen/ Peace Boat 

The invisible threat


Voices from Japan two years after the nuclear catastrophe of Fukushima
(written for the Peace Boat website on March 11th, 2012 >>

A year ago, I was in the middle of the Pacific Ocean with Peace Boat, a Japanese NGO that has been promoting reconciliation and a nuke-free world since the 1970ies, starting from Japan's own painful experience. We passed close to Mururoa and Fangataufa, learnt from Polynesians about how to recognize a contaminated fish (blood in its tail and eyes) and listened to workers who are afraid to pass on the radiation in their genes for generations to come. But on March 11th, we realized that we didn't have to go that far: The nuclear disaster of Fukushima still affects many Japanese people.

The Japanese language has two words for nuclear power: "genshi", the "productive" nuclear power that drives power plants and "kaku", the destructive power used for nuclear weapons. This suggests a difference that scientifically does not exist. A country that has nuclear power plants can also create atomic bombs. Both involve the fission of plutonium and uranium. The Liberal Democratic Party, that regained power in Japan in the December elections, has postponed any discussion about whether or not to phase-out for three more years. Six participants of the Peace Boat voyage share their experiences and opinions after Fukushima.  

Arai Toshiko, Miyagi prefecture: After the accident, many families from Fukushima moved to our prefecture, Miyagi, so that their children could attend schools in a safer area. But many parents continue to travel to Fukushima to work, because they have to support their families. Furthermore they feel attached to their home town and feel they cannot leave it so easily. At school their children are traumatized for the second time: Their new classmates often treat them badly and avoid them, claiming that radiation was contagious. This has gone so far that the children ask to return to Fukushima, saying that they don't mind the radiation, if only they could have their old life with friends and family again. After the accident there was little food left to eat, so they started to share the little they had. Many scientists say that children should not eat agricultural products grown in Fukushima, but it is these products that school meals are made of. So mothers travel far to find some food which has not been grown in the contaminated area. The worst is: People in Fukushima are discouraged from freely talking about the danger, although they can see it on their Geiger counters every day. I never did anything to change the situation in my prefecture. It wasn't until the tsunami happened that I realized: By not speaking out against it, I have silently agreed with nuclear power in my home region. 3-11 changed a lot for me. Now I have also participated in a protest.

Suzuki Tsuneo, Nagano prefecture: After my retirement I started to visit the affected regions. I realized that the nature of the destruction is very different. We could clean the town from the destructions of the tsunami and restart our living there from the next day, but we will never be able to remove the nuclear pollution. But still people keep living in the radiated areas. Unlike in Chernobyl evacuation is not compulsory because by giving that order the government would admit that it is dangerous. Also they would have had to pay compensation. The unclear orders and the unstable status quo makes the situation even worse for the people of Fukushima.

Ariyama Yoko, Jogo prefecture: I have been teaching science at a junior high school until my retirement in March this year. In our textbooks little was described about the dangers of radiation. Instead they emphasized the advantages of nuclear energy as allegedly "clean" energy, because it does not produce CO². "And there is a problem with waste", the book added – without specifying. That was it. I felt that this representation was incomplete, but I did not add more information. After the accident at the Daihatsu power plant, I fully realized that our whole educational system supports nuclear energy. Since that time I regret what I used to teach to my students. After 3-11, I had one year left until my retirement. So I used this year to tell the truth to the children. I brought newspaper articles to my class and explained to them what had happened. I asked my colleagues to join me in this – and many did. However others refused stating that nuclear energy was important to maintain our standard of living. In April 2012, the government released a new version of the textbook. But still, it hardly mentions Fukushima and presents nuclear energy as something substantially different from nuclear bombs. As a reaction, a teachers' association from Fukushima published its own textbook, which elaborates about the dangers more in detail. But this book is not for sale throughout the country.

Otozu Hiroko, Miyagi prefecture: I was concerned with nuclear energy even before Fukushima. I try to lead an ecological life in the countryside. It might look as if I am living in the 50ies, but it is fun to cook your own food in an open fireplace, make compost and reuse rain water. It's a bit inconvenient, but I like it. People say that we can do this in the countryside, because we have so much space. But they are wrong. Everybody could make a step towards a more sustainable life. Solar energy has for example become a lot more popular in Japan since 3-11.

Konno Ayako and Konno Tomohiro, Namiemachi-Tsushima, Fukushima prefecture: Our house is located only thirty kilometres from the Fukushima nuclear power plant, but we never worried about that. In the morning after the 3-11 earthquake, parts of our village were evacuated. We started to house several dozen people in the recreation room of our enterprise. No evacuation plan existed, so everyone depended on friends, relatives or helpful strangers. We were so busy housing the refugees and making rice balls for them, that we didn't even have time to watch TV. But our relatives and our children in Tokyo called us – they worried a lot about us. Information from the media and the government was very contradictory. The only source we trusted were the families of the TEPCO workers, who were the first to flee the place. That was a bad sign. Two days after the earthquake we also left our house. We just took the clothes we wore with us, because we thought we would return soon anyway. We moved to seven or eight different places, the houses of friends and relatives, before we ended up in Tokyo, where the government has reserved some apartments to rent to Fukushima refugees. Whenever we return, we feel sad. We had a cat. When we arrived in April we still saw her alive. She climbed into our car as if to say: "Don't leave me here." But we couldn't take her with us, because in our temporary settlements there was no space for a cat. We never saw her again. The streets of our village used to be narrow anyway, but now they are overgrown with grass. Few people remain – mainly elderly people fled the city to have a peaceful retirement in the countryside. But these are just rumours. Whenever we go back, we have to hurry up and cannot wander around, because everything is contaminated. In Tokyo we both started to volunteer at the Peace Boat Center (P-cen), preparing posters which other volunteers later distributed. As a family we received about one million yen (ten thousand Euro) in compensation, but we are still hoping to receive more. We lost our house and our jobs. Before the government settles the compensation issue, we cannot decide where to go. Now Peace Boat is our home.

Photos: Christina Felschen/ Peace Boat

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Unruhe nach dem Sturm

Der Taifun „Haiyan“ hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Nothelfer unterstützen die Betroffenen beim Wiederaufbau.

 
(erschienen in der "Welternährung" 4/2013, der Zeitung der Welthungerhilfe >>)
außerdem in der Ausgabe 4/2013: Was der Taifun mit dem Klimawandel zu tun hat (und was nicht), warum ein Forscher Wespen über halb Afrika abwirft und dafür einen Preis bekommt und warum unser Interviewpartner in Sierra Leone verhaftet wurde.  


ROXAS/ CEBU CITY/ BONN | In der Telefonleitung rauscht es. Keine technische Störung, sondern ein sintflutartiger Regen, der seit Stunden auf die Insel Panay herabprasselt. Auf die zerschmetterten Fischerbooten am Strand. Auf Palmenstümpfe, die grotesk in alle Richtungen ragen. Auf Menschen, die in ihren notdürftig reparierten Hütten kauern. Und auf die Nothelferin Elisabeth Biber. „Die Regenzeit ist noch nicht vorbei“, sagt sie später im Trockenen. „Umso mehr drängt für uns die Zeit.“ Die 26-Jährige ist die Jüngste von sechs Nothelfern der Welthungerhilfe, die die Filipinos auf den Inseln Panay und Cebu beim Wiederaufbau unterstützen.
Seit der Taifun „Haiyan“ am Morgen des 9. November die Philippinen erreichte, ist das einstige Inselparadies der Visayas nicht wiederzuerkennen. Über vier Millionen Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, über 5000 Menschen sind gestorben. „Die Zerstörung ist unfassbar groß.“ Elisabeth Bibers Stimme am Telefon stockt. Den Betonbauten der Mittelschicht konnte der Taifun wenig anhaben, doch die Hütten der armen Fischer, Tagelöhner und Kleinbauern riss er fort.
Ida Billiones hat noch einmal Glück gehabt: Von ihrer eigenen Hütte ist nichts mehr zu sehen, doch sie rettete sich ins Haus ihrer Nachbarn. Am dringendsten fehlt es ihr und den anderen Obdachlosen an Werkzeug und sauberem Wasser. Die Welthungerhilfe hat daher mobile Wasserfilter nach Panay gebracht, mit denen 2500 Menschen vor Ort täglich sauberes Trinkwasser erhalten. Außerdem verteilt sie Pakete mit Planen, Moskitonetzen, Solarlampen und Reparaturmaterial an 5000 Familien. So können sie ihre Hütten selbst zusammennageln und die Dächer flicken.
„Die meisten Organisationen haben sich auf die besonders schwer zerstörte Stadt Tacloban gestürzt“, erzählt Birgit Zeitler, die den Einsatz koordiniert. „Darum konzentrieren wir uns lieber auf die abgelegenen Inseln Panay und Cebu.“ Die Koordination ist nicht einfach, weil über 13 Millionen Menschen im Archipel betroffen sind und die Infrastruktur fast völlig zerstört ist. Doch die erfahrene Nothelferin klingt gelassen – nach über einem Jahrzehnt in den Krisen- und Katastrophengebieten der Welt kann sie wenig schrecken. „Es ist toll zu sehen, wie pragmatisch die Filipinos mit der Situation umgehen. Sie haben sich sofort an die Aufräumarbeiten gemacht“, erzählt Zeitler. „Man merkt, dass sie seit Menschengedenken mit Taifunen leben.“ Nur bei den Jüngsten sitzt der Schock tief. „Der Regenguss bringt die Erinnerung an den Taifun zurück“, sagt Biber. „Ein Kind erzählte mir heute, wie es sich in Todesangst unter das Waschbecken quetschte, während der Taifun tobte und der Vater noch immer nicht zu Hause war.“
Zusammen mit Gemeindevorständen und der lokalen Partnerorganisation PRRM (Philippine Rural Reconstruction Movement) hat die junge Nothelferin Familien ausgewählt, die Werkzeug erhalten sollen. „Die Entscheidung fiel uns nicht leicht“, sagt Elisabeth Biber. Im Hochland erkundigte sich eine Mutter vor den Resten ihrer Hütte, ob ihr Name auf der Liste stehe. Biber musste passen: „Wir können erst einmal nur die Familien versorgen, die gar keine Hütte mehr haben und kaum Einkommen – weil sie viele Kinder, keine Jobs und keine Verwandten im Ausland haben.“ Zu ihrer Überraschung lächelte die Frau; es sei gut, dass ihre Nachbarinnen zuerst an die Reihe kämen, wo diese doch gar nichts mehr hätten.
„Bei Verteilungen kommt es sonst schon mal zu Aggressionen, wenn die Hilfsgüter nicht für alle reichen“, sagt Birgit Zeitler. So viel Solidarität wie auf den Philippinen sei ihr selten begegnet. Mal nehme ein Taxifahrer die Nothelfer kostenlos mit, mal fahre ein Ehepaar extra einen Umweg zum Flughafen, um sie abzusetzen. „Das ganze Land hilft mit Gütern, Geld und Zuspruch“, schreibt die Partnerorganisation PRRM auf ihrer Website nicht ohne Stolz. „Die Filipinos haben wieder einmal bewiesen, dass sie als Brüder und Schwestern füreinander einstehen.“
Elisabeth Biber hofft zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein. „Ich habe schon ein Rückflugticket, aber wer weiß!“ Sie lacht. „Ich habe in den letzten Wochen gelernt zu improvisieren. Ich weiß nie, wo ich abends schlafen werde, in welchem Ort und auf welcher Insel.“ Biber ist aufgedreht vor Müdigkeit; wie immer in den letzten Wochen ist sie seit sechs Uhr morgens unterwegs, wie immer wird sie erst nach Mitternacht ins Bett fallen.
„Dafür sehen wir jeden Tag, wie sehr sich unsere Arbeit lohnt“, sagt sie. „Die Filipinos sind so dankbar, dass ihr Unglück die Welt nicht kalt lässt.“ Und doch ahnen sie bereits, dass sich spätestens im Frühling die volle Wirkung des Taifuns zeigt: Wenn die Kokospalmen nicht tragen, die Ernte auf den versalzenen Felder nicht aufgeht – und die meisten Organisationen wieder abgezogen sind. „Jetzt brauchen wir einen langen Atem“, schreiben auch die lokalen Partner von PRRM. „Wir müssen die betroffenen Gemeinden ganz neu aufbauen – und zwar so, dass wir dem nächsten Sturm besser standhalten.“

Einen schönen Animationsfilm zum Thema Welternährung gibt es übrigens hier von WissensWerte Erklärfilme.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wespen als Wunderwaffen

Mit einer genialen Idee bewahrte Hans Rudolf Herren 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod. Jetzt erhielten er und seine Stiftung "Biovision" den Alternativen Nobelpreis

 

(veröffentlicht in der "Welternährung" (4/2013) und auf der Website der Welthungerhilfe, Foto: Biovision

 Der Schweizer Dr. Hans Rudolf Herren (66) hat mit seinen Programmen zur Schädlingsbekämpfung und zur Förderung des Ökolandbaus die Agrarwissenschaft revolutioniert. Doch viele Regierungen des Nordens und die Industrie ignorieren seine Empfehlungen.

Als junger Mann haben Sie 1,6 Millionen Wespen mit einem Flugzeug über 24 afrikanischen Ländern abgeworfen. Was war da los?
Dr. Hans R. Herren: In den 70er und 80er Jahren gab es ein Riesenproblem mit einer schädlichen Schmierlaus, die vom Senegal bis nach Madagaskar alle Maniokpflanzen zerstörte – das Grundnahrungsmittel für 200 Millionen Menschen. Die Regierung von Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo) hatte bereits Insektizide gesprüht, doch die hatten den Pflanzen und den Menschen mehr zugesetzt als der Laus. Da rief mich ein nigerianisches Forschungsinstitut zu Hilfe. Und ich hatte eine Idee.

Wespen! Und das zu Hochzeiten der „Grünen Revolution“, die auf technische Lösungen wie Insektengifte und Hochleistungssorten setzte! Wie haben die Forscher reagiert?
Sicher, anfangs gab es viele Spötter und Skeptiker. Biologische Schädlingsbekämpfung war zwar nicht neu, aber in diesem Ausmaß hatte es noch niemand probiert.

Sie waren damals erst Anfang 30. Woher nahmen Sie den Mut eine fremde Spezies einzuführen?
Ich hatte schon für meine Dissertation in der Schweiz zu diesem Thema geforscht und meinen Postdoc an der Universität Berkeley beim Guru der biologischen Schädlingsbekämpfung Robert van den Bosch geschrieben. Daher wusste ich: Wenn man es richtig anpackt, ist es möglich. Dass diese Schmierlaus bis zu ihrem plötzlichen Auftauchen in Afrika völlig unbekannt war, machte mir Mut. Denn das bedeutete, dass es ein anderes Insekt, eine Krankheit, einen Virus oder ein Bakterium gab, das sie unter Kontrolle hielt. Jetzt mussten wir es nur noch finden und für uns arbeiten lassen. Nach langer Suche fanden wir die Schmierlaus und die Schlupfwespe in Paraguay. Von dort war die Laus nach Afrika eingeführt worden, wo sie sich ohne ihren natürlichen Feind prächtig vermehrte.

Hatten Sie keine Angst, dass die Wespen das Ökosystem zerstören wie die Nilbarsche, die im Viktoriasee ausgesetzt wurden und dort einheimische Arten fast ausrotteten?
Ich habe alles getan, um das Risiko zu verringern. Beim Viktoriasee waren Laien am Werk, die niemanden um Rat gefragt haben. Wir haben das Ökosystem in Paraguay genau untersucht und dann in britischer Quarantäne getestet, was passiert, wenn wir die Wespe auf einem Maniokfeld auf die Laus loslassen. Der Erfolg in Afrika war kein Zufall, sondern genau kalkuliert: Die Schlupfwespen attackierten gezielt nur diese Schmierläuse; bis heute halten sich beide Populationen auf niedrigem Niveau im Gleichgewicht – genau wie im Ursprungsland.

Momentan bedrohen Wanderheuschrecken die Nahrungssicherheit von vier Millionen Menschen in Madagaskar. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die madagassische Regierung sprühen jetzt Pestizide auf zwei Millionen Hektar Land. Ist das eine gute Idee?
Nein, das zeigt nur, wie diese Institutionen ticken. Wenn die FAO Frühwarnsysteme einrichten würde, könnte sie so eine Population früh genug entdecken und dann einen Duftstoff zusammen mit dem Metarhizium-Pilz sprühen – diese Mischung hindert die Wanderheuschrecken am Weiterziehen und tötet sie. So könnte man das Problem kleinräumig und ohne Chemie lösen. In der Sahelzone gab es in diesem Frühling auch eine Heuschreckenplage, die sich am Ende bis nach Israel verbreitet hat; dabei hätte man sie schon im Sudan stoppen können. Leider ist niemand bereit in Prävention zu investieren bis es zur Katastrophe kommt. Dabei kostet es ein Vielfaches, das Unglück abzuwarten und all die Chemikalien zu importieren – ganz zu schweigen vom Ökosystem, das auf Jahre hinweg zerstört wird. Außerdem sind die Ernten schon fast hinüber, bis das Gift erst mal im Land ist – Wanderheuschrecken fressen extrem schnell; es ist ein Erlebnis, ihnen dabei zuzuhören!

„Ökologische Landwirtschaft ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können, solange fast eine Milliarde Menschen hungern“, sagen Verfechter der „Grünen Revolution“. Was sagen Sie dazu?
Das ist Blödsinn! Wir produzieren heute schon genug Kalorien für 14 Milliarden Menschen und können auch mit nachhaltiger Landwirtschaft alle Menschen ernähren. Das Problem liegt im Zugang zur Nahrung. Mithilfe der so genannten „Zweiten Grünen Revolution“ werden zum Beispiel in Indien Überschüsse produziert und trotzdem hungern dort mehr Leute als anderswo, vor allem Kinder.
Die Politik wünscht sich ein Patentrezept, deshalb ist die „Grüne Revolution“ auch so erfolgreich. Aber Landwirtschaft ist sehr komplex, man kann nicht einfach mehr Dünger oder mehr Samen auf die Äcker werfen. Die „Grüne Revolution“ setzt auf intensive Bewässerung, Düngung und Pestizide. Damit verbraucht die industrielle Landwirtschaft im Durchschnitt zehn Kalorien, um eine Kalorie zu produzieren, und dieser Input stammt mehrheitlich aus Erdöl. Das ist doch keine Art Nahrungsmittel zu produzieren! Wir brauchen einen Kurswechsel hin zu einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit angepasster Technik, die auf Arbeitskraft statt auf Naturressourcen setzt. Das haben wir 2008 im Weltagrarbericht klar gezeigt. 

Der Bericht war das größte agrarwissenschaftliche Szenario, das je entwickelt wurde, geplant als Multi-Stakeholder-Approach. Doch dann sind viele Stakeholder abgesprungen und plötzlich scherte sich die Welt nicht mehr um Ihre Empfehlungen. Was ist da passiert?
Als sich in der Schlussphase herauskristallisierte, dass die Autoren des Berichts industrielle Landwirtschaft, Gentechnik und Handelsliberalisierung als nicht nachhaltig bewerten, sind viele Geldgeber abgesprungen: Nicht nur die Agrarkonzerne wie Monsanto, Syngenta und BASF, die um ihre Einnahmen bei Dünger und Saatgutpatenten fürchtete, sondern auch viele Regierungen: die USA, Kanada, Australien, England... 

...und Deutschland?
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat nichts bezahlt, aber der deutsche Journalist und Co-Autor des Berichts Benedikt Haerlin hat erreicht, dass sich das Bundesumweltministerium finanziell beteiligt. 

Ist der Agrarbericht damit Geschichte? Geben Sie sich geschlagen?
Ach wo, natürlich nicht! Beim Erdgipfel Rio+20 haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass das Komitee für Ernährungssicherheit der FAO („Committee on World Food Security“ – CFS) Richtlinien für nationale Agrarberichte entwickelt. Die Erde hat so viele unterschiedliche Ökosysteme, dass es nur sinnvoll ist, wenn jedes Land sein eigenes Szenario entwickelt und sich fragt: Welche Politik brauchen wir, um unsere Landwirtschaft nachhaltig zu machen? Mit unserem Projekt „Kurswechsel Landwirtschaft” unterstützen wir von Biovision gerade Behörden im Senegal, Kenia und Äthiopien, nationalen Agrarberichte zu entwickeln, die als Vorbild für andere Länder dienen können. In dieses Projekt fließt auch das Preisgeld des Alternativen Nobelpreises (knapp 60.000 Euro).

Kann städtische Landwirtschaft auch einen Beitrag zur Welternährung leisten oder ist das nur ein nettes Hobby?
Vor allem Gemüse lässt sich gut auf kleinem Raum in Städten anbauen, so lassen sich Brachflächen nutzen und Transportwege minimieren. Allerdings haben die meisten Stadtbewohner erst einmal wenig Ahnung von Landwirtschaft und verwenden deshalb viel Chemie – Training und Geduld sind also wichtig. 

Haben Sie Ihren Lebensstil verändert, seit Sie über nachhaltige Ernährungssicherung nachdenken?
Wir essen zu Hause kaum Fleisch und in der Schweiz fahre ich nur Zug und Tram. Das Problem ist, dass ich so viel in aller Welt herumfliege. Aber ich hoffe mich eines Tag pensionieren zu lassen und mehr Zeit auf meinem Rebberg in Kalifornien verbringen zu können. Jetzt sollen die jungen Leute mal übernehmen!

Das Gestern im Heute

Wie Sammy Baloji an den Kolonialismus erinnert




(Rezension zur Fotoserie "Mémoire" des kongolesischen Künstlers, veröffentlicht im SÜDLINK, dem Nord-Süd-Magazin von Inkota, 12/2013, S.12-13 >>)


Wir sprechen einen Namen aus und treten, da die Wände durchlässig sind, in ihre Zeit ein, […] ohne zu zögern erwidert sie aus der Zeittiefe heraus unseren Blick“, schrieb Christa Wolf in ihrer Neuinterpretation der Medea. Und: „Die Jahrtausende schmelzen unter starkem Druck. Soll also der Druck bleiben.“ So ist es auch bei den Panoramen des kongolesischen Künstlers Sammy Baloji: Ruinen der Gegenwart, Zeugen der Vergangenheit – die Zeitebenen sind durchlässig, der Minenarbeiter schaut uns direkt an. Was sind schon hundert Jahre.
Mémoire“, Erinnerung, heißt Balojis großformatige Serie, die auf Initiative von AfricAvenir kürzlich auch in Berlin zu sehen war. Darin stellt er ethnographische Portraits von Minenarbeitern aus dem frühen 20. Jahrhundert in zeitgenössische Panoramafotos seiner Heimatstadt Lubumbashi – oder in das, was davon noch übrig ist. „Ich lese in der Vergangenheit des Kongo, um die afrikanische Identität von heute zu ergründen“, schreibt Baloji über seine Arbeit.
Der 34-Jährige erinnert an eine Zeit, als sein Land und seine Vorfahren auf der Berliner Kongokonferenz in den Privatbesitz des Königs Leopold II. von Belgien übergingen. Die königliche Verwaltung nahm die Frauen in Geiselhaft, versklavte die Männer und ließ willkürlich Hände abhacken; 23 Jahre lang währten die sogenannten Kongogräuel, 15 Millionen Menschen verloren ihr Leben. Noch 1941, als der Kongo schon eine „normale“ belgische Kolonie war, schoss die Polizei eine Demonstration gegen Zwangsarbeit in den Kupferminen von Lubumbashi zusammen. Als sich Belgien auf internationalem Druck 1959 aus dem Kongo zurückzog, hinterließ es ein Chaos, das bis heute anhält.
Mit dem Kunstgriff der achronischen Montage zeigt Baloji die Hinterlassenschaften des kolonialen Beutezugs in ihrer vollen zeitlich-räumlichen Dimension. Die Kolonialverwaltung nahm der Erde ihre Metalle und den Menschen ihre Würde: Ausgestellte Körper, Instrumente im Dienste der Produktion, reglos der Mann, mit Nummern versehen die Frauen und Kinder – wie Geister stehen sie in der zerstörten Landschaft.
Baloji zitiert hier eine Bildsprache, die heute so befremdlich wirkt wie Joseph Conrads Kongoerzählung „Herz der Finsternis“ (1899): „Ein leises Klirren hinter mir ließ mich den Kopf wenden. Sechs Schwarze kamen hintereinander daher und keuchten den Pfad herauf. […] Ich konnte jede Rippe sehen, ihre Gelenke waren wie Knoten in einem Tau; jeder trug ein eisernes Halsband, und sie alle waren untereinander mit einer Kette verbunden, deren Glieder gleichmäßig klirrend zwischen ihnen niederhingen.“ Doch wo Joseph Conrad für Distanzierung sorgt, reißt Baloji die Wände der Zeiten ein. Seine Montagen weisen in die Gegenwart, in der die Ausbeutung – wenngleich subtiler – fortbesteht: in den Textilfabriken von Bangladesch, den Minen des Ostkongo oder den Plantagen Brasiliens.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Hungerzahlen & Hoffungsschimmer

Photo: Wovon Flüchtlinge in Myanmar träumen, wie Konzerne arme Länder um Steuereinnahmen prellen und wie ein Fotograf Hunger sichtbar macht*: Reportagen, Interviews & Hintergründe zu entwicklungspolitischen Themen gibt's in der "Welternährung", der Zeitung der Welthungerhilfe. Das Abo ist kostenlos: www.welternaehrung.de.
* und warum ich von der Spree an den Rhein gezogen bin ;-)Wovon Flüchtlinge in Myanmar träumen, wie Konzerne arme Länder um Steuereinnahmen prellen und wie ein Fotograf Hunger sichtbar macht: In der "Welternährung", der Zeitung der Welthungerhilfe, gibt es Reportagen, Kommentare, Interviews & Hintergründe zu entwicklungspolitischen Themen. Von August 2013 bis Oktober 2014 bin ich dort Chefredakteurin - und freue mich auf fünf spannende Ausgaben. Wenn Ihr mitlesen wollt, könnt Ihr die Zeitung hier kostenlos abonnieren oder online lesen: www.welternaehrung.de.

Samstag, 19. Oktober 2013

In 30 Gängen um die Welt


Das kalifornische Reporterpaar Menzel-D’Alusio dokumentiert Esskulturen weltweit – und macht sichtbar, wie ungleich Lebensmittel verteilt sind

(veröffentlicht in der Welternährung 3/2013, der Zeitung der Welthungerhilfe)

Die Sonne scheint warm vom Himmel auf eine Familie, die vor ihrem Zelt zu Abend isst – so wirkt es auf den ersten Blick. Doch die Stoffbeutel, die Familie Aboukabar vor sich drapiert hat, enthalten nicht eine Mahlzeit, sondern sieben – für sechs Menschen. Einige Bilder weiter begegnen wir Schokoriegeln, Fertigpizza, importierten Früchten ernähren und Hunde-Nassfuttereund mitten in diesem Essensberg den Baintons aus Großbritannien. Der Unterschied ist erschreckend. Wie können die sieben Flüchtlinge aus dem Sudan von dem bisschen satt werden, wenn eine durchschnittliche britische Familie ein Vielfaches verbraucht? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Aboukabars werden nicht satt.

Wie können Fotografen den Hunger sichtbar machen, der den Alltag von jedem sechsten Menschen weltweit dominiert? Die allgegenwärtigen Fotos von Menschen mit ausgemergelten Körper und Hungerbäuchen lassen die Betrachter zu Voyeuren werden und  mit der Weile abstumpfen. Peter Menzel hat einen anderen Weg gefunden. Zusammen mit der Journalistin Faith D’Alusio hat er 30 Familien in 24 Ländern besucht und sie beim Einkaufen, Kochen und Essen portraitiert.

Der Höhepunkt der „Hungry World“-Arbeit sind diese Gruppenfotos im Stil ethnologischer Portraits, auf denen Familien ihre Nahrung für eine Woche präsentieren. In ihnen zeigt sich die große Ironie moderner Ernährung: Während Hunderttausende hungern, sind ebenfalls Hunderttausende übergewichtig.

Im Zeitalter der Globalisierung hört die Ernährung auf, privat und kulturspezifisch zu sein. Stattdessen wird sie von unkontrollierbaren Faktoren bestimmt – von Konflikten, Migration, Armut, Spekulationen, den Verkaufsstrategien der globalen Lebensmittelindustrie und vielem mehr. Faktoren, die innerhalb kürzester Zeit Veränderungen bringen können. Während Familie Ayme in ihrem ecuadorianischen Andendorf regionale Produkten auf offenem Holzfeuer zubereitet, ist Familie Casales aus Mexiko zwischen Bergen aus Fleisch, Süßem und verarbeitetem Essen kaum zu erkennen. Und selbst im gesundheitsbewussten Japan gibt es einen Generationenwandel, der sich im Familienportrait andeutet: Die Lieblingsgerichte der beiden Erwachsenen sind Sashimi (Fischfilet) und Obst, die jugendlichen Töchter mögen Kuchen und Kartoffelchips.

Das Reporterpaar reichert die Fotos mit dokumentarischen Details an: den Kosten des Essens, Einkaufslisten, typische Familienrezepte und Lieblingsessen. So erfahren wir, dass die Aboukabars aus dem Sudan umgerechnet 1,23 US-Dollar für ihr wöchentliches Essen aufwenden müssen, die Baintons hingegen 253,15 US-Dollar – wobei diese Summen durch die unterschiedlichen Einkünfte in den Ländern wenig aussagekräftig sind. Bei allen Unterschieden in der Menge und Vielfalt der Nahrungsmittel zeigen die Bilder doch eine Gemeinsamkeit: die Freude am Essen und Trinken und den Stolz der Familien auf ihren kleinen Schatz.

Die Fotoausstellung "Was is(s)t die Welt" ist noch bis zum 27. Oktober täglich (außer montags) zwischen 10 und 18 Uhr (mittwochs bis 21 Uhr) im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig, Adenauerallee 160, Museumsmeile Bonn zu sehen.

Außerdem ist die Serie als Buch erschienen: Menzel/ D’Alusio: „Hungry Planet. What the world eats.“ Material World  Verlag, 2007. 288 Seiten.